Ein solider Krimi-/Thriller-Mix
Auf
Christian Piskulla bin ich durch seinen Thriller „Pacific Crest Trail Killer“
aufmerksam geworden, der mich sehr begeistern konnte. „Das Stahlwerk“ ist sein
Debutroman und er ist für mich kein reiner Thriller, sondern vielmehr eine
Mischung aus Kriminalroman und Thriller, denn viel inhaltlichen Raum – mehr als
die Hälfte des Romans – nimmt die Ermittlungsarbeit ein. Die Handlung spielt in
dem Stahlwerk der (fiktiven) Germania Metall Union in Duisburg im Jahr 1942. Im
Werk werden innerhalb weniger Monate zehn Beschäftigte brutal ermordet, Polizei
und Werkschutz sind mit der Aufklärung des Falls überfordert, deshalb heuert
der Generaldirektor Hermann von Kessel den Zwangsarbeiter Jarek Kruppa als
Mördersucher an. Kruppa hat vor seiner Gefangennahme in Polen als Kommissar
gearbeitet.
Auf
den ersten rund 200 Seiten werden in erster Linie die Tatorte besichtigt und
Zeugen vernommen, dabei taucht man als Leser ein in die Welt des Stahlwerks und
saugt dessen Atmosphäre auf, es geht hinein in dunkle Hallen, in tiefe Keller
und lange Tunnel. Die Beschreibung der Örtlichkeiten ist sehr detailliert und
bildhaft, man fühlt sich als Leser, als sei man direkt vor Ort. Auch die
Funktionen des Stahlwerks werden genau beschriebenen, Produktionsabläufe
erläutert, die Gefahr der Tätigkeit mit heißem Stahl wird gut spürbar. Die so
erzeugte Stimmung ist richtig gut gelungen und verdient auf jeden Fall Anerkennung.
Nach rund 200 Seiten kommt es dann zu einer unerwarteten Wendung, plötzlich
werden die Kapitelabschnitte kürzer und die Perspektive des Mörders tritt
hinzu. Nun steht die Verfolgung bzw. Flucht des Mörders im Zentrum der
Handlung, ein Katz- und Maus-Spiel beginnt. Ab diesem Zeitpunkt tauchen also
Thriller-Elemente auf und die Spannung steigert sich deutlich, zum Finale – den
letzten 40 Seiten – zieht die Dramatik dann nochmals gut an. Das konnte mich
durchaus überzeugen, auch wenn ich die ersten rund 200 Seiten als weniger
packend empfunden habe.
Die
Figuren, die den Roman tragen, sind ebenfalls sehr gelungen gestaltet. Jarek
Kruppa erscheint als guter Zuhörer und Beobachter sowie genialer Analytiker, er
ist ein „Arbeitstier“, das erstaunlich schnell in der Lage ist, sich einen
Überblick über den Fall und das ganze Werk zu verschaffen. Und besonders
sympathisch fand ich seinen Helfer vom Werkschutz: Schöppke. Von ihm entsteht
vor dem geistigen Auge direkt ein Bild, ein richtiger Malocher, um keinen Spruch
verlegen, dem Alkohol nicht abgeneigt, in der Belegschaft bekannt und beliebt.
Besonders amüsant fand ich Schöppkes witzige Schlagabtausche mit Jarek und
anderen Arbeitern, auch der grobschlächtige Malocher-Sprech lässt eine
authentische Atmosphäre entstehen.
Fazit:
Eine Mischung aus Krimi und Thriller, startet zwar erst nach rund 200 Seiten richtig und bietet insgesamt wenig Überraschendes, kann aber mit einem spannenden Finale aufwarten und verfügt über sympathische Figuren und eine tolle, authentische Atmosphäre.
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