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Donnerstag, 7. April 2022

Piskulla, Christian - Das Stahlwerk


4 von 5 Sternen

Ein solider Krimi-/Thriller-Mix

Auf Christian Piskulla bin ich durch seinen Thriller „Pacific Crest Trail Killer“ aufmerksam geworden, der mich sehr begeistern konnte. „Das Stahlwerk“ ist sein Debutroman und er ist für mich kein reiner Thriller, sondern vielmehr eine Mischung aus Kriminalroman und Thriller, denn viel inhaltlichen Raum – mehr als die Hälfte des Romans – nimmt die Ermittlungsarbeit ein. Die Handlung spielt in dem Stahlwerk der (fiktiven) Germania Metall Union in Duisburg im Jahr 1942. Im Werk werden innerhalb weniger Monate zehn Beschäftigte brutal ermordet, Polizei und Werkschutz sind mit der Aufklärung des Falls überfordert, deshalb heuert der Generaldirektor Hermann von Kessel den Zwangsarbeiter Jarek Kruppa als Mördersucher an. Kruppa hat vor seiner Gefangennahme in Polen als Kommissar gearbeitet.

Auf den ersten rund 200 Seiten werden in erster Linie die Tatorte besichtigt und Zeugen vernommen, dabei taucht man als Leser ein in die Welt des Stahlwerks und saugt dessen Atmosphäre auf, es geht hinein in dunkle Hallen, in tiefe Keller und lange Tunnel. Die Beschreibung der Örtlichkeiten ist sehr detailliert und bildhaft, man fühlt sich als Leser, als sei man direkt vor Ort. Auch die Funktionen des Stahlwerks werden genau beschriebenen, Produktionsabläufe erläutert, die Gefahr der Tätigkeit mit heißem Stahl wird gut spürbar. Die so erzeugte Stimmung ist richtig gut gelungen und verdient auf jeden Fall Anerkennung. Nach rund 200 Seiten kommt es dann zu einer unerwarteten Wendung, plötzlich werden die Kapitelabschnitte kürzer und die Perspektive des Mörders tritt hinzu. Nun steht die Verfolgung bzw. Flucht des Mörders im Zentrum der Handlung, ein Katz- und Maus-Spiel beginnt. Ab diesem Zeitpunkt tauchen also Thriller-Elemente auf und die Spannung steigert sich deutlich, zum Finale – den letzten 40 Seiten – zieht die Dramatik dann nochmals gut an. Das konnte mich durchaus überzeugen, auch wenn ich die ersten rund 200 Seiten als weniger packend empfunden habe.

Die Figuren, die den Roman tragen, sind ebenfalls sehr gelungen gestaltet. Jarek Kruppa erscheint als guter Zuhörer und Beobachter sowie genialer Analytiker, er ist ein „Arbeitstier“, das erstaunlich schnell in der Lage ist, sich einen Überblick über den Fall und das ganze Werk zu verschaffen. Und besonders sympathisch fand ich seinen Helfer vom Werkschutz: Schöppke. Von ihm entsteht vor dem geistigen Auge direkt ein Bild, ein richtiger Malocher, um keinen Spruch verlegen, dem Alkohol nicht abgeneigt, in der Belegschaft bekannt und beliebt. Besonders amüsant fand ich Schöppkes witzige Schlagabtausche mit Jarek und anderen Arbeitern, auch der grobschlächtige Malocher-Sprech lässt eine authentische Atmosphäre entstehen.

Fazit

Eine Mischung aus Krimi und Thriller, startet zwar erst nach rund 200 Seiten richtig und bietet insgesamt wenig Überraschendes, kann aber mit einem spannenden Finale aufwarten und verfügt über sympathische Figuren und eine tolle, authentische Atmosphäre.

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