Erschreckendes Endzeit-Szenario
Der Endzeit-Thriller „Ausgebrannt“ von Andreas Eschbach basiert auf dem Szenario, dass sich in Saudi-Arabien das größte Ölfeld der Welt dem Ende zuneigt, was eine globale Katastrophe nach sich zieht. Im Zentrum dieser Geschehnisse steht der Protagonist Markus, der sich in den USA nur Mark nennen lässt, Mark Westerman. Er ist ein kompetenter, ehrgeiziger und kreativer Workaholic sowie ein Networker mit klarem Ziel vor Augen: Die Karriereleiter steil nach oben erklimmen, ein eigenes Firmenimperium gründen und dauerhaft in den USA bleiben. Doch bevor ihm das gelingt, wirft ihn ein schwerer Autounfall zurück. Er erwacht in einem Krankenhaus in Deutschland, hat künstliches Koma hinter sich und muss wieder auf die Beine kommen. Davon wird in Kapiteln erzählt, die mit dem Titel „Gegenwart“ versehen sind. Gleichzeitig erfahren wir im Rahmen von Rückblicken mehr über Marks sozialen Aufstieg in den USA und über die schicksalhafte Begegnung mit dem kauzigen, charismatischen und versessenen Karl-Walter Block, der behauptet, eine Methode zu kennen, um überall auf der Welt Öl zu finden. Markus erkennt in Block seine Riesenchance, sucht Investoren, wird mit der Investmentgesellschaft „Peak Performance Pool“ schließlich fündig, und lebt fortan auf der Überholspur, bis Block plötzlich verschwindet und sich der bereits genannte Autounfall ereignet. Nun setzt Markus nach seiner Genesung alles daran, die Methode von seinem Partner Block auf eigene Faust weiterzuentwickeln und dessen Notizen ausfindig zu machen, die ihm dabei helfen sollen. Dafür reist er wieder zurück in die USA und sucht Kontakt zu Charles W. Taggard, einem CIA-Agenten, den er mit Block bei Bohrungen in Saudi-Arabien kennengelernt hat, und der ihn bei seinem Vorhaben unterstützen soll. Mit diesem Plot allein hätte sich bereits der Inhalt eines Buchs füllen lassen, denn der Spannungsbogen wird schon dadurch aufrechterhalten, dass der Leser wissen will, wie Blocks Methode funktioniert, ob Markus sie begreifen wird und was aus Block geworden ist, doch Eschbach legt noch nach.
Er
entwirft ein Katastrophenszenario, das mich als Leser sehr über die
Erdölabhängigkeit der globalen Wirtschaft hat nachdenken lassen. In
Saudi-Arabien versiegt das größte Erdölfeld der Welt und die Weltwirtschaft versinkt
im Chaos. Darum geht es dann im zweiten Teil des Buches. Und mittendrin in
diesem Chaos befindet sich nicht nur Markus, sondern auch seine Schwester
Dorothea mit ihrem Mann Werner. Es geht bei beiden Lebensgeschichten darum, wie
sich die Protagonisten im neuen Durcheinander jeweils zurechtfinden. Dabei
werden auch wirtschafts- und außenpolitische Exkurse mit eingebaut, die das
Agieren von Politikern in einer solchen Katastrophenszenario zeigen. Letztlich
handelt der zweite Teil des Buchs von der allgemeinen Frage, ob und wie sich
die Menschheit mit den neuartigen Zuständen arrangieren kann und welche neuen
Technologien Auftrieb erhalten. Am Beispiel von Markus, Dorothea und Werner
wird dies gut aufgezeigt.
Was
mir besonders gut an diesem Roman gefallen hat, ist die Tatsache, dass Eschbach
sich viel Raum nimmt, die Figuren einzuführen und ihre Charakteristik zu
entwickeln. Alle Figuren sind facettenreich und stimmig ausgearbeitet, nicht
nur die Hauptfiguren Markus Westermann und Karl-Walter Block sowie ihre
Beziehung zueinander, sondern auch die vielen Nebenfiguren. Da ist die
Schwester von Markus, Dorothea, die mit ihrem Mann Werner ein großzügiges Haus
gekauft hat, das heizkostenintensiv ist, und die dabei ist, sich einen Laden
aufzubauen, der regionale Produkte anbietet. Beide rücken vor allem im zweiten
Teil stärker ins Zentrum der Handlung.
Da ist aber auch die vermögende und sexbesessene Amy-Lee Wang, mit der
Markus zu Beginn des Romans zusammen ist, als er sein Jetset-Leben führt. Nicht
zu vergessen, ihr kalt berechnender Vater, der Markus für seine Zwecke
einspannen will. Und da ist noch der vorausschauende Charles W. Taggard, der
CIA-Agent, der seine Tochter verloren hat, dem Markus erstmals in Saudi-Arabien
begegnet und bei dem er im zweiten Teil des Buchs zeitweise unterkommt.
Eine
weitere Stärke des Romans ist es, dass beiläufig viele sehr gut recherchierte
Informationen zur Ölindustrie miteinfließen. Mit Interesse habe ich
beispielsweise gelesen, wie Erdöl überhaupt erst entstanden ist, wie der
globale Ölhandel vonstattengeht, wie sich Erdölreserven berechnen lassen, wie
die Ölkrise in den 70ern ablief oder wie Deutschland Ölreserven anlegt etc.
Auch den Exkurs zu Benzinalternativen fand ich interessant.
Der
einzige Kritikpunkt, den ich hier anführen möchte, über den ich aber bei den
vielen Vorzügen des Buches hinwegsehen kann, ist der Folgende: Es dauert lange,
bis man ins Buch hineinfindet. Anfangs ist man von den vielen Zeitsprüngen,
Vorgeschichten der Figuren und Exkursen zu erdölrelevanten Themen überfordert.
Ich bin erst ab S. 150, zu dem Zeitpunkt, als Markus Block begegnete, richtig
ins Buch hineingekommen. Man braucht also einen längeren Atem, doch dann liest
sich das Buch flüssig.
Fazit:
Ein intelligent konzipiertes Endzeit-Szenario, das mit Markus Westermann eine reizvolle und ausgefeilte Hauptfigur aufbietet, und ein Werk mit interessanten Ausführungen zur Ölindustrie.
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