Multiversum und Supervulkan
Die Geologie-Studentin Erin will mit ihren Kommilitonen und Professor Collins eine Exkursion zum Yellowstone-Park unternehmen. Dort kam es in letzter Zeit zu ungewöhnlichen seismischen Aktivitäten. Im weiteren Handlungsverlauf werden dann immer mal wieder Pressemeldungen über zunehmende geologische Ereignisse eingestreut. Erins Freund Matt hingegen wird derweil von Freunden (Richard und Kevin) berichtet, dass sie ein unglaubliches Physikprojekt durchführen. Mit einer selbst hergestellten Konstruktion wollen sie auf verschiedene Versionen der Realität zugreifen und sich mit Hilfe eines Portals durchs Multiversum bewegen.
Und das Experiment gelingt. Schon bald schauen sich Matt und seine Freunde eine zweite Erde an und beobachten durch das Portal die Umgebung auf der anderen Seite. Sie stellen fest, dass es in der alternativen Realität keine Menschen zu geben scheint, dafür aber bereits ausgestorbene Tiere. Die Freunde planen Größeres. Sie wollen ein gewaltigeres Portal bauen und die alternative Erde betreten. Ihr Plan ist es, auf der anderen Seite Gold zu schürfen, um mit dem dann erworbenen Reichtum ihr Projekt auf noch größere Beine zu stellen. Vorerst wollen sie ihre Entdeckung geheim halten. Doch als sie beginnen, ihr Flussgold zu veräußern, erregen sie ungewollt Aufmerksamkeit.
Auf der anderen Seite des Portals müssen die Freunde stetig auf der Hut sein, um nicht von wilden Tieren attackiert zu werden. Die permanente Bedrohungssituation erhöht die Spannung spürbar. Später kommt es dann zu der bereits angebahnten Katastrophe. Im Yellowstone-Park bricht ein Supervulkan aus, der eine globale Krise nach sich zieht (übrigens eine reale Gefahr, der letzte Ausbruch ereignete sich vor ca. 640.000 Jahren). Die Spannung nimmt damit noch einmal zu. In der Folge des Ausbruchs breitet sich eine riesige Aschewolke aus, die das weitere Schicksal der Menschheit beeinflusst. Eingebaute Presseberichte verdeutlichen die Konsequenzen und das Ausmaß des Dramas. Es droht das Ende der modernen Zivilisation. Über einen Umkreis von mehr als 1000 km türmt sich die Ascheschicht mehrere Meter hoch. Die Erde versinkt im Chaos. Das Gemeinwesen zerstört sich selbst.
Um sich und weitere Menschen zu retten, beschließen Matt und seine Freunde, das Portal zu öffnen und Menschen zur alternativen Erde zu bringen. Der Aufbruch verläuft hektisch und improvisiert. Alles muss zügig vonstattengehen. Ungefähr 300 Menschen überleben auf diese Weise. Doch was erwartet die Flüchtlinge auf der anderen Seite? Werden sie in der fremden Welt zurechtkommen, wenn sie auf alle Annehmlichkeiten der Zivilisation verzichten müssen? Und kehren sie irgendwann auf ihre Heimaterde zurück? Das sind die zentralen Fragen, die ich mir zu diesem Zeitpunkt stellte.
Abschließend noch ein bisschen Kritik: Ich hätte mir noch gewünscht, dass die alternative Realität noch ausführlicher von den Freunden erforscht worden wäre. Da öffnen sie schon ein Portal zu einer anderen Erde und das Einzige, was ihnen einfällt, ist, nach Gold zu suchen. Naja, naja… Darüber hinaus hat mich die Handlung nach der Katastrophe nicht richtig mitgerissen. Es geht v.a. um zwischenmenschliche Konflikte. Mir fehlte eine Art von überraschender Entdeckung. Das war mir insgesamt zu wenig, was sich der Autor da überlegt hat. Und so richtig ereignisreich fand ich das Ganze auch nicht. Es müssen zwar allerlei Hürden bewältigt werden, um das eigene Überleben zu sichern, aber ich fand den Inhalt zu erwartbar und zu gewöhnlich. Oft fand ich den Inhalt auch nicht bildlich genug beschrieben. So hätte ich bei der Beschreibung der Katastrophe noch mehr erwartet. Die Presseberichte allein gingen mir nicht genug unter die Haut. Kurzum: Ein durchschnittliches Buch. Da wäre mehr drin gewesen. Die Grundidee hat mir gefallen. Und der Schreibstil bzw. die Übersetzung des Stils ist gelungen. Mit "Earthside" gibt es noch eine Fortsetzung, die aber bisher nicht auf Deutsch erschienen ist.
Querverweise:
Taylor, Dennis E.: Ich bin viele (2018)
Taylor, Dennis E.: Wir sind Götter (2018)
Ein weiteres Science-Fiction-Buch zum Thema "Multiversum", das ich sehr empfehlen kann:
Ralph Alexander Neumüller: Das Stoffuniversum (2023)






