Unglaubwürdig und nicht immer plausibel
Als die Ich-Erzählerin Emily im Prolog ihrem Partner mitteilt, dass sie schwanger ist, rechnet sie nicht mit dessen grausamer und eiskalter Reaktion. Er verlangt von ihr eine Abtreibung. Doch sie verweigert das und flüchtet. Man spürt förmlich, wie sie ihren Partner fürchtet. Er kontrolliert und bevormundet sie. Doch auf der Flucht versagt die Bremse des Wagens und sie stürzt eine Klippe hinunter. Als Leser ahnt man, dass ihr Partner dabei die Finger mit im Spiel hatte…
Danach folgt ein Blickwechsel zu Cara und ihrer Freundin Natalie. Cara ist nach dem Besuch eines Clubs mit einem unbekannten Mann mitgegangen und wird am nächsten Tag besinnungslos an einer Haltestelle gefunden. Im Krankenhaus stellt man fest, dass ihr eine Substanz verabreicht wurde, die im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Die Polizei will keinerlei Ermittlungen durchführen, weil in ihren Augen keine erwiesene Straftat vorliegt (äußerst merkwürdig…). Natalie beschließt daraufhin auf eigene Faust, den Mann ausfindig zu machen, der Cara das angetan hat.
Wie es der Zufall will, entdeckt sie das Gesicht des potentiellen Täters auf der Titelseite einer Zeitschrift (großer Zufall Nr. 1). Es handelt sich dabei um Geoffrey Rosenberg, der als Kryptokönig zum Mann des Jahres gewählt wurde. Er zählt zu den reichsten Menschen unter 40 Jahren. Ein weiterer Zufall sorgt dafür, dass Natalie sich bei ihm als Aushilfe einschleusen kann (großer Zufall Nr. 2). Sie will mehr über ihn herausfinden. Und in einer weiteren Perspektive erfahren wir, dass Natalie bereits erwartet wird. Sie tappt scheinbar in eine Falle, die ihr bewusst gestellt wurde...
Das Ausgangssetting ist gelungen (wenn man über die erstaunlichen Zufälle hinwegsieht). Man ist schnell im Geschehen. Und durch die Perspektive des Täters wissen wir als Leser sofort, dass Natalie in Gefahr schwebt. Das ist gut arrangiert. Durch das sonderbare und unfreundliche Verhalten der anderen Hausangestellten, denen Natalie begegnet, wird der Fall insgesamt gut verrätselt. Es herrscht eine merkwürdige Arbeitsatmosphäre. Man ahnt, dass etwas nicht stimmt. Doch zu Beginn passiert lange Zeit nichts, was die Handlung vorantreibt. Die Spannung im ersten Drittel ist mau. Die Schilderungen der Arbeitsroutinen von Natalie nehmen Tempo heraus und weckten bei mir wenig Neugier. Auch die Dialoghaftigkeit lässt zu wünschen übrig, so dass sich das Ganze nicht sehr lebendig liest.
Etwas Schwung resultiert daraus, dass nach einem Drittel ein Unbekannter ins Geschehen eingreift und Natalie vor ihrem neuen Chef warnt. Doch leider ebbt dieser Schwung schnell wieder ab. Hinzu kommen weitere Dinge, die mir negativ aufgefallen sind: Das Handeln der Figuren war für mich nicht immer plausibel und nachvollziehbar. Auch ist der Plot so angelegt, dass man über lange Zeit nicht weiß, ob es nun ein „whodunit-Thriller“ oder eine „howcatchem-Thriller“ ist. Das bleibt unklar, weil die Täter-Perspektive hier nicht eindeutig gestaltet worden ist. Das finde ich unglücklich gelöst. Es sorgt für viele Irritationen beim Lesen, die mich eher gestört haben. Und noch etwas: Was die Auflösung angeht, so wird das Kriterium der Glaubwürdigkeit in meinen Augen verletzt. Hier hat mich das Buch leider endgültig verloren. Das Ende hat mich gar nicht mehr interessiert. Kurzum: Leider kein guter Thriller. Von mir gibt es 2 Sterne!




