Drogenhandel als Klassenkampf
Grischa Tannberg, Absolvent der DDR-Hochschule für Ökonomie Bruno Leuschner, Sektion Außenwirtschaft, zieht zu Hause aus und tritt seinen ersten Job an. Als Jungaktivist steht er nun auf eigenen Beinen, bezieht seine erste eigene Wohnung in einer Platte in Berlin und macht sich zu Beginn des Buchs mit seinen neuen Aufgaben vertraut. Er arbeitet nun bei der Staatlichen Plankommission und soll Überlegungen dazu anstellen, wie man mit dem Bruderland Afghanistan erfolgreich Handel treiben kann.
Grischa ist ein pflichtbewusster DDR-Bürger, der die bestehenden Strukturen nicht in Frage stellt, sondern sein Bestes gibt, um seinen Platz darin zu finden. Sein Vorgesetzter Ralf, der seinen Aufgabenbereich nicht mit Leben zu füllen weiß, muss Grischas Engagement zunächst erst einmal bremsen. Eine mögliche Zusammenarbeit zwischen der DDR und Afghanistan gestaltet sich Ralfs Ansicht nach schwierig: „Die Afghanen haben nichts. Man könnte es so zusammenfassen: Die wollen alles und haben nichts“, S. 16.
Grischa wird von Ralf im Folgenden in die Kunst des kunstvollen Wartens eingeführt. Nach außen geben sich beide Afghanistan-Experten geschäftig, aber eigentlich haben sie nichts zu tun. Ihr wichtigster Aufenthaltsort wird fortan die Kantine :-) Gleichzeitig lässt Ralf alle fleißigen Vorschläge des Jungaktivisten zum Bruderland ins Leere laufen. Doch damit gibt sich Grischa nicht zufrieden. Er will sich nicht an die Vorgaben seines Vorgesetzten halten und sucht eigenständig nach Lösungen für das Afghanistan-Problem. Schließlich hat er als Jahrgangsbester einen Ruf zu verlieren.
Im stillen Kämmerlein erarbeitet Grischa letztlich seinen „Afghanistan-Plan“. Als Schlüssel zum Erfolg betrachtet er den Handel mit Hanf. Er gibt nicht auf, seinen Vorgesetzten von der Idee zu überzeugen und darf seinen Plan bald auch höherrangigen Beamten der Plankommission vorstellen. Zunächst stößt er auf Skepsis und taube Ohren. Doch Grischa ist einfallsreich und legt sich ordentlich ins Zeug, den Handel mit Hanf attraktiv erscheinen zu lassen. Er führt viele Argumente ins Feld, um seine Gesprächspartner zu überzeugen (v.a. der Verdienst von Westgeld erscheint dabei reizvoll :-)
Und tatsächlich gelingt es ihm, die Genehmigung für die Durchführung eines Pilotprojekts zu erhalten. Schon bald fliegt er im Auftrag der Staatssicherheit mit Ralf nach Kabul, um entsprechende Kontakte herzustellen und die Sache „anzuleiern“. Was werden sie dort erleben? Und wie wird der Westen auf das Pilotprojekt reagieren? Das sind die zentralen Fragen, die man sich zu diesem Zeitpunkt stellt.
Eines kann ich jedenfalls versprechen: Leserinnen und Leser erwartet ein amüsanter und kreativer Plot mit vielen humorvollen Ideen und lustigem Erzählton. Die Schilderung des Aufenthalts in Kabul und das, was danach passiert, habe ich schmunzelnd verfolgt (z.B. auch die Darstellung der politischen Hinterzimmergespräche). Ohne zu viel zu verraten: Schon bald eröffnet ein Deutsch-Afghanischer-Freundschaftsladen in der Nähe eines Grenzübergangs. Und es spricht sich schnell herum, welche Ware man dort erwerben kann. Das Angebot erfreut sich schon bald immer größerer Beliebtheit. Und im Westen ist man davon gar nicht begeistert. Der Fall beschäftigt rasch Juristen und die höchste politische Ebene… Fazit: Ein tolles Buch!
Querverweise:
Ein weiteres amüsantes Buch mit Ost-West-Thematik: Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße von Maxim Leo






