Kosmische Gefahr
Wir befinden uns im Jahr 2037. Der Sonnenforscher Michail Martynov lebt in einer Forschungsstation auf dem Mond und überwacht die Sonne. Er lebt dort allein, nur unterstützt von einer KI (by the way: Oberflächen- und Lichtverhältnisse am Südpol des Mondes werden bildhaft beschrieben. Man kann sich alles gut vorstellen). Eines Morgens beobachtet Michail eine neue aktive Region auf unserem Heimatstern. Wenig später erhält er Besuch von einem Neutrinoforscher, der ebenfalls auf dem Erdtrabanten stationiert ist. Er erforscht den Kern der Sonne und überbringt Michail eine beunruhigende Nachricht: Die Auslöschung der Erde stehe bevor. Es blieben noch 5 Jahre Zeit, um sich gegen die Katastrophe zu wappnen.
Auch auf der Erde stellt man Auffälligkeiten fest. Ein geomagnetischer Sonnensturm sucht unsere Heimatwelt heim. In London kommt es zu Aurorae und die Energieversorgung wird stark beeinträchtigt. Z.B. werden die elektronischen Leitsysteme für PKWs empfindlich gestört. Verkehrsprobleme sind die Folge. Auch Satelliten werden beschädigt. Kommunikationssysteme fallen aus. Inmitten dieses Chaos bewegt sich die Physikerin Siobhan. Sie findet schnell heraus, dass die Ereignisse nicht lokal auf London beschränkt sind. Die gesamte Erde ist betroffen und versinkt im Chaos. Und keiner weiß, wie lange das Phänomen anhält. Siobhan wird um Rat gefragt, was man gegen die Folgen des koronalen Massenauswurfs tun kann. Doch angesichts der riesigen Dimensionen der Sonne gibt es zunächst wenig, was ihr dazu einfällt.
Nachdem die Menschheit den ersten Sonnensturm überstanden hat, wird schnell klar, dass dieser nur der Anfang war. Der Erde droht schon bald eine gewaltige Katastrophe. Ideen sind gefragt. Um das Überleben der Menschheit zu sichern, plant man schließlich einen gewaltigen Schutzschild zu konstruieren (mit einem Durchmesser von 13.000 km) - ein Projekt, das die Einheit der Menschheit und eine Zusammenarbeit verschiedener Nationen erfordert. Die Ressourcen des Planeten müssen gebündelt werden, um den Bau des Schilds zeitnah abzuschließen. Viele (v.a. technischen) Herausforderungen müssen bewältigt werden. Das Schicksal der Erde steht auf dem Spiel. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt (wie erwähnt, bleiben nur 5 Jahre). Und die Frage bleibt, ob diese Maßnahme ausreichen wird und was danach passiert. Für mich ein gelungenes Ausgangssetting.
Eine weitere Perspektive betrifft Leutnant Bisesa Dutt, die während eines Helikopterflugs im Afghanistan-Einsatz für eine gewisse Zeit spurlos verschwindet. Während für sie fünf Jahre vergehen, ist auf der Erde nur ein Tag vergangen, als sie zurückkehrt. Sie ist von einer fremden Macht entführt worden, die sie als „Erstgeborene“ bezeichnet. Sie glaubt, dass die fremde Intelligenz hinter den Ereignissen auf der Sonne steckt. Für sie ist es kein Zufall, dass das Schicksal der Erde durch die Sonne bedroht wird. Doch warum sollten die Erstgeborenen die Menschheit auslöschen wollen? Was ist ihr Motiv?
Was mir besonders gefallen hat, ist der Umstand, dass einiges an Wissen zur Sonne in diesem Buch beiläufig vermittelt wurde. So erfahren wir etwas über Protuberanzen, über Sonnenflecken, über den Aufbau, über die Aktivitäten und über die Prozesse, die im Inneren der Sonne ablaufen. Was mir weniger gefallen hat, waren die Längen, die v.a. vor dem eigentlichen Eintritt der Katastrophe spürbar waren. Hier hätten Zeitsprünge für mehr Dynamik gesorgt. Mir waren die Schilderungen zur Konstruktion des Schildes insgesamt zu langatmig und zu detailverliebt. Erst das letzte Drittel ist den Ereignissen rund um den heftigen Sonnensturm vorbehalten, der dann das Schicksal der Menschheit bedroht. Der Ablauf der Katastrophe wird ausführlich und aus verschiedenen Blickwinkeln beschrieben. Die Spannung war spürbar. Enttäuscht war ich dann wieder von dem, was nach der Katastrophe geschildert wurde. Da hatte ich deutlich mehr erwartet. Schade fand ich auch, dass die Erstgeborenen nicht auftauchen. Damit ist erst in Band 3 dieser Trilogie zu rechnen ("Wächter").
Querverweis:
Ein weiteres Buch von Stephen Baxter, das ich rezensiert habe: "Die Wiege der Schöpfung"






