Mysteriös und undurchschaubar
Fausto lebt in einer wenig hoffnungsvollen postapokalyptischen Welt, in der eine Seuche die Menschen heimgesucht hat und die Hitze der Sonne den Menschen große Probleme bereitet (dem Klimawandel sei Dank). Die südlichen Länder sind unbewohnbar geworden. Viele hat es bereits in den Norden (nach Nordkanada, Grönland und Sibirien) gezogen, sofern sie das nötige Geld für die Ausreise aufbringen konnten. Doch Fausto harrt in der trostlosen, lebensfeindlichen Umgebung (irgendwo in Frankreich) weiter aus und kämpft jeden Tag ums Überleben.
Das Dorf, in dem er lebt, ist weitestgehend verlassen. Es sind nur noch einige wenige Nachbarn übriggeblieben (u.a. ein Pfarrer), zu denen Fausto nach wie vor Kontakt hat. Nachts macht er sich mit seinem Fahrrad auf den Weg, um die umliegende Gegend nach Vorräten und anderen nützlichen Dingen abzusuchen. Allerdings haben zahlreiche Plünderungswellen dafür gesorgt, dass nicht mehr viel vorhanden ist.
Der triste Alltag von Fausto wird uns Lesern nähergebracht. Er versucht das Beste aus seiner Situation zu machen und ist darum bemüht, nur an die Zukunft zu denken. Große Pläne macht er jedoch nicht. Eingeflochtene Kindheitserinnerungen zeugen davon, dass er noch eine andere Welt kennen gelernt hat. Doch die Erinnerungen verblassen.
Eines Tages zieht eine fremde, mysteriöse Frau namens Valérie in das verlassene Nachbarhaus von Fausto ein. Die Hitze macht ihr wenig aus. Fausto findet sie überaus attraktiv und in ihm erwacht ein Beschützerinstinkt. Das erste Kennenlernen verläuft sonderbar. Valérie äußert sich nur sehr zurückhaltend und bleibt wortkarg. Sie gibt sehr wenig von sich preis und behauptet, dass sie nicht wisse, wo sie herkomme. Auch aus diesem Grund hat sie eine rätselhafte Ausstrahlung. Sie wirkt geheimnisvoll und als Leser möchte man mehr über sie erfahren.
Fausto hat die Hoffnung, dass er nicht länger allein durchs Leben gehen muss. Und tatsächlich kommt es schon bald zu einer Annäherung zwischen ihm und Valérie. Fausto stört sich nicht daran, dass er so gut wie nichts über sie weiß. Er lernt ein neues Gefühl kennen: Verlustangst. Auch Körperlichkeit und Begehren spielen eine große Rolle. Doch in der Nachbarschaft erregt die Beziehung der beiden schon bald Aufsehen. Wie wird es mit den beiden weitergehen? Werden sie evtl. doch noch in den Norden ziehen?
Das Buch weist durchgängig eine besondere Atmosphäre auf, was v.a. auch daran liegt, dass Valérie als Figur sehr mysteriös daherkommt. Das hat mir gut gefallen. Die Welt, in der Fausto lebt, bleibt für den Leser undurchschaubar und wirkt kafkaesk. Strukturen, die das Gemeinwesen aufrechterhalten, werden angedeutet, bleiben aber nebulös. Später treten Figuren auf, die Fausto nur als Fremde bezeichnet. Auch ihre Herkunft bleibt unklar. Kontextualisierungen und Erklärungen werden bewusst ausgelassen. Man erfährt nur punktuell etwas über die zukünftige Welt, in der Valérie und Fausto leben. Der Kreis der Personen, die in diesem Buch auftreten, ist auf eine überschaubare Anzahl begrenzt. Doch man erfährt nur wenig Hintergründe zu den Nebenfiguren. Schade! Das Ende hat mich leider unbefriedigt zurückgelassen. Ich wollte noch so viel mehr erfahren. Insgesamt bleibt die Idee der futuristischen Welt ausbaufähig. Vielleicht ja ein einem weiteren Buch? Wer weiß…
Querverweise:
Eschbach, Andreas: Solarstation (1996)
Eschbach, Andreas: Perfect Copy. Die zweite Schöpfung (2002)
Eschbach, Andreas: Der Letzte seiner Art (2003)
Eschbach, Andreas: Die seltene Gabe (2004)
Eschbach, Andreas: Ausgebrannt (2007)
Eschbach, Andreas: Das Marsprojekt Bd. 3, Bd. 4 und Bd. 5 (2006-2008)
Eschbach, Andreas: Freiheitsgeld (2022)
Eschbach, Andreas: Der schlauste Mann der Welt (2023)
Eschbach, Andreas: Die Abschaffung des Todes (2024)
Eschbach, Andreas: Perfect Copy. Die zweite Schöpfung (2002)
Eschbach, Andreas: Der Letzte seiner Art (2003)
Eschbach, Andreas: Die seltene Gabe (2004)
Eschbach, Andreas: Ausgebrannt (2007)
Eschbach, Andreas: Das Marsprojekt Bd. 3, Bd. 4 und Bd. 5 (2006-2008)
Eschbach, Andreas: Freiheitsgeld (2022)
Eschbach, Andreas: Der schlauste Mann der Welt (2023)
Eschbach, Andreas: Die Abschaffung des Todes (2024)
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