Gefängnis-Thriller
Brooke Sullivan ist Mutter eines zehnjährigen Sohnes namens Josh, schlägt sich als Alleinerziehende mehr schlecht als recht durch und tritt eine neue Stelle als Pflegekraft in einem Hochsicherheitsgefängnis an. Dafür ist sie mit ihrem Sohn umgezogen und hat Queens hinter sich gelassen. Ein Kindermädchen unterstützt sie bei der Kinderbetreuung.
Brooke wird in der Krankenabteilung arbeiten und sich um Fälle in der Notfallambulanz kümmern. Dabei muss sie sehr eigenverantwortlich arbeiten. Sie ist allein für die Insassen zuständig. Der leitende Mediziner ist nur selten vor Ort. Zu Beginn spürt man als Leser(in) gut, dass Brooke von der neuen Arbeitsumgebung eingeschüchtert ist. Eine Mitarbeiterin, die sie durch das Gefängnis führt und ihr alles zeigt, gibt ihr den Rat, gegenüber den Häftlingen auf Distanz zu bleiben und ihnen keine privaten Informationen mitzuteilen.
Besonders brisant ist der Umstand, dass Brooke einen der Häftlinge von früher kennt. Er war ihr ehemaliger Freund und hat versucht, sie umzubringen. Sie selbst hat mit ihrer Aussage vor Gericht dafür gesorgt, dass er in der Haftanstalt landet. Er selbst streitet jedoch ab, etwas mit dem versuchten Mord zu tun zu haben. Bei der Stellenvergabe ist den Verantwortlichen Brookes persönliche Beziehung zu ihm nicht aufgefallen. Sie hofft, dass sie ihm während der Arbeitszeit nicht begegnen wird. Ein irrealer Wunsch…
Rückblicke in die Vergangenheit sorgen dafür, dass man erfährt, was sich zugetragen hat. Nach und nach erfahren wir mehr über die Umstände des versuchten Mordes. Eine weitere wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Figur Tim, der Brooke damals das Leben gerettet hat. Er war ein Nachbarsjunge und wie es der Zufall will, trifft sie ihn wieder, als sie ihren Sohn in der neuen Schule anmeldet. Tim ist dort inzwischen stv. Schulleiter. Schon bald gehen Brooke und Tim miteinander aus. Als Tim erfährt, dass Brooke im Gefängnis arbeitet, ist er schockiert. Er kann nicht fassen, dass sie sich selbst der Gefahr aussetzt, dem ehemaligen Täter zu begegnen…
Insgesamt liest sich der Thriller durchweg spannend und flüssig. Der Verdacht zu den verschiedenen Figuren wird gut gelenkt. V.a. die Schilderung der Verhaltensweisen sorgt dafür, dass Verdachtsmomente entstehen oder sich auflösen. Und darüber hinaus wird man immer wieder gut in seinem Urteil verunsichert. Auch die Auflösung ist wieder überraschend und wendungsreich. Von McFadden hatte ich nichts anderes erwartet. Das hat sie einfach drauf und bestätigt sie immer wieder in ihren verschiedenen Büchern. Nur das Ausgangssetting ist dieses Mal stark konstruiert: Warum sollte Brooke in einem Gefängnis arbeiten wollen, wo sie einen ehemaligen Täter wiedertreffen könnte? Das erschließt sich mir nicht. Zudem finde ich etwas abwegig (Vorsicht Spoiler!), dass sie für ihn Gefühle entwickelt, obwohl er versucht hat, sie zu ermorden, aber nun gut. Brookes Naivität, die immer wieder deutlich wird, finde ich dann doch etwas weit hergeholt. Doch dieser Charakterzug ist als „Aufreger“ sicherlich bewusst angelegt worden. Nicht zuletzt fand ich die Ereignisse, die sich in der Vergangenheit ereignen, etwas dick aufgetragen und wild. Sie ähneln einem Teenie-Horror-Streifen. Aus den genannten Gründen fand ich den Thriller weniger gelungen als die anderen Thriller, die bisher auf Deutsch erschienen sind.
Querverweise:
McFadden, Freida: Wenn Sie wüsste (Millie 1, 2023)
McFadden, Freida: Sie kann dich hören (Millie 2, 2024)
McFadden, Freida: Sie wird dich finden (Millie 3, 2024)
McFadden, Freida: Weil sie dich kennt (2025)
McFadden, Freida: Die Kollegin (2025)
McFadden, Freida: Der Lehrer (2025)
McFadden, Freida: Der Freund (2025)
McFadden, Freida: Die Ehefrau (2026)
Weitere Gefängnis-Thriller:
Bestgen, Sarah: Safe Space
Fields, Helen: The Institution






