3 von 5 Sternen
So
gefährlich der Nebel
„So
eiskalt der Tod“ von Robert Bryndza ist der 2. Fall von Privatdetektivin Kate
Marshall, allerdings ist die Kenntnis des Vorgängerbands „So blutig die Nacht“
nicht nötig, es werden alle relevanten Informationen des ersten Falls, die man
zum Verständnis benötigt, erwähnt. Auch handelt es sich eher um einen Krimi als
um einen Thriller, im Zentrum steht nämlich vor allem die Ermittlungsarbeit und
die Zeugenvernehmung. Das Spannungsniveau würde ich in diesem Krimi als
durchschnittlich beschreiben, es ist zwar alles gut und logisch gestaltet, das
Puzzle des Falls setzt sich nach und nach zusammen, doch es gibt für mich zu
wenig „Thrill-Elemente“, die überraschenden Wendungen fehlen weitestgehend. Und
am Ende hätte ich mehr erwartet, das „Auflösungs-Kapitel“ umfasst lediglich 10
Seiten. Nicht zuletzt wirkt einiges im Laufe des Buches auch etwas konstruiert,
so fand ich z.B. verwunderlich, dass alle Befragten immer so bereitwillig
Auskunft gaben.
Im
Zentrum steht die Aufklärung des Tods von Simon Kendal, der bei einem Tauchgang
von Kate Marshall und ihrem Sohn Jake tot aufgefunden wird. Die Gerichtsmedizin
stuft den Tod sehr schnell als Unfall ein, und da kommt Kate mit ihrem Partner
Tristan Harper ins Spiel. Diese werden von der Mutter des Opfers damit
beauftragt, weitere Nachforschungen anzustellen. Und schnell stoßen die
Privatdetektive bei ihren Ermittlungen dabei auf Ungereimtheiten.
Auch
wenn das Spannungsniveau durchschnittlich ist, bietet der Krimi aber durchaus
auch einiges Positives. Hier ist vor allem die Charakterzeichnung der beiden
Hauptfiguren zu nennen, die Tiefe aufweist. Kate ist trockene Alkoholikern und
kämpft immer mal wieder gegen ihr Verlangen an, zudem führt sie eine
problematische Mutter-Sohn-Beziehung zu Jake, was aus der Vorgeschichte mit dem
Vater von Jake herrührt, die im ersten Band thematisiert wird. Tristan hingegen
ringt mit seinem Outing als Homosexueller gegenüber seiner unsensiblen
Schwester, die bald heiratet. Was ebenfalls gelungen ist, ist die Darstellung
der Detektivarbeit im Unterschied zur Polizeiarbeit. Dadurch ergibt sich einmal
eine andere Perspektive auf die Aufklärung eines Falls. Und für mich war es
spannend, die Verschiedenheit von Polizei- und Detektivarbeit sowie die
Konkurrenzsituation zwischen beiden Ermittlerteams als Leser vor Augen geführt
zu bekommen, zumal Kate als ehemalige Polizistin auch Insider-Wissen
beisteuert. Was ich beim Lesen ebenfalls als gut empfand, war die Länge der
Kapitel. Sie sind angenehm kurz, so dass man immer dazu animiert wird, noch ein
weiteres knappes Kapitel nachzulegen. Bei der erzählerischen Gestaltung ist
positiv hervorzuheben, dass wir als Leser unterschiedliche Perspektiven
einnehmen, dazu zählt nicht nur die Sicht von Tristan und Kate, sondern auch
die von Täter und Opfer. Dadurch ergibt sich ein facettenreiches Bild.
Fazit:
Ein Thriller, der eher Krimi ist und ein durchschnittliches Spannungsniveau aufweist, dafür aber handwerklich und auch sprachlich gut gemacht ist, was insbesondere an der Figurenzeichnung und der erzählerischen Gestaltung deutlich wird.
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