Der Roman „Paradox“ von Phillip P. Peterson erscheint mir von allen Büchern, die ich vom Autor bisher gelesen habe – Vakuum, Transport –, am Ausgereiftesten zu sein. Dies liegt in meinen Augen daran, dass dem Roman eine überzeugende Figurenauswahl und -charakteristik zugrunde gelegt wird, die verschiedenen Beziehungsverhältnisse der Protagonisten gut zur Geltung kommen und sich die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander auch weiter entwickeln, sie also nicht allzu statisch daherkommen. Das habe ich in anderen Büchern von Peterson, wo die Action und Spannung stärker im Vordergrund stand, deutlich vermisst. Doch auch „Paradox“ startet fulminant. Die Sonde Voyager 2 geht auf rätselhafte Weise am Rande des Sonnensystems verloren und der Wissenschaftler David Holmes, der später in der Privatwirtschaft beim Projekt Helios angeheuert wird, erforscht diese Anomalie. Zeitgleich kommt es auf der ISS bei einem Andockmanöver mit einem Modul zu einer Katastrophe, die an den Film „Gravity“ erinnert und bei der der Kommandant Ed Walker seinen Mut und seine Führungsqualität beweist. Nach Einführung der verschiedenen Figuren und dem furiosen Beginn wird dem Leser das Projekt Helios und die Mission nähergebracht, für die Ed, David, Wendy und Grace als Mitglieder rekrutiert werden. Wir begleiten die vier beim Training, das sehr detailliert und treffend in allen Facetten geschildert wird, erleben Beziehungskrisen zwischen Ed und David, die einander zu Beginn sehr unähnlich sind, und erhalten Einblick in eine Art (unternehmens-)politische Intrige, als es um die Frage geht, ob die Crew harmonisch und passend zusammengesetzt wurde. Was mir sehr gut gefallen hat, war die Beschreibung der Abläufe des Trainings, der zahlreichen technischen Details und wissenschaftlichen Hintergründe der Mission sowie die differenzierte Schilderung des Startvorgangs der Rakete. Und auch die vier Hauptfiguren finde ich gut gezeichnet: Ed erscheint zunächst grobschlächtig, direkt, selbstbewusst und wagemutig, David hingegen eher sensibel, ängstlich, zurückhaltend und etwas scheu, wird dann aber immer ehrgeiziger und selbstbewusster sowie souveräner. Auch das Verhältnis zwischen Ed und David verbessert sich mit der Zeit. Wendy ist im Team die ruhige, stets freundliche und ausgeglichene, harmonisierende Kraft, sie tritt oft als Mittlerin auf. Grace bleibt zu Beginn des Buchs eher blass, später wird sie dann unmittelbare Konkurrentin von Ed, agiert rebellisch und etwas selbstsüchtig sowie forsch, bevor sie dann merkt, dass sie mehr als Teamplayerin agieren muss. Richtig spannend wird es dann nochmals auf den letzten 100 Seiten, als die Crew entdeckt, was es mit dem Verschwinden der Sonden auf sich hat und das Rätsel gelöst wird.
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