Ein klassischer Blockbuster
In seinem Roman „Transport“
spielt Phillip P. Peterson mit der Idee, dass die Menschheit ein Artefakt
entdeckt, mit dessen Hilfe man das Universum bereisen kann. Die Grundidee ist
nicht neu: „Stargate“ lässt grüßen. Doch natürlich entwickelt der Autor eine
eigene Vorstellung dieser Grundidee. Problem bei dem Artefakt, dessen Herkunft
und genaue Funktionsweise man nicht kennt: Man weiß leider im Vorfeld nicht, wo
man herauskommt und welche Lebensbedingungen am Zielort herrschen. Dies hat die
ersten Testpersonen ins Verderben geführt und aufgrund dieser Gefahr werden
zehn Häftlinge rekrutiert, denen man verspricht bei zehn erfolgreichen
Einsätzen ihre Todesstrafe zu erlassen, wenn sie bereit sind, ihr Leben zu
riskieren. Von den Häftlingen steht Russel Harris im Zentrum des Romans, ihm
und seinen Gedanken folgen wir als Leser, von ihm erfahren wir am meisten. Er
ist der Sympathieträger, mit ihm fiebern wir mit. Die anderen Figuren bleiben
blass und werden nur kurz und oberflächlich vorgestellt. Sie dienen teilweise
auch nur dazu, die verschiedenen Spielarten des Umkommens zu schildern. Das
muss man mögen und darf sich davon nicht zu sehr abschrecken lassen. Eine weitere
Ausnahme der vielen blassen Figuren ist höchstens noch die einzige Frauenfigur
im Roman, die mit Harris auch eine Beziehung eingeht: Elise.
Grundsätzlich bleibt die
Charakterzeichnung aber eine Schwäche des Romans und man darf auch keine
anspruchsvolle erzählerische Gestaltung erwarten. Die Handlung wird strikt
linear erzählt, Nebenhandlungen gibt es nicht, das Erzähltempo ist hoch, wird
dynamisch vorangetrieben, große psychologische Tiefe bei den Figuren darf man
nicht erwarten. Dafür bietet der Roman aber Spannung und Action ähnlich wie ein
klassischer Blockbuster im Kino. Man möchte wissen, ob die Figuren überleben,
wo sie materialisiert werden, ob sie zurückkehren, was sie erlebt haben. Man
ist neugierig auf die Beschreibung der außerirdischen Welten und möchte auch
mehr über die Hintergründe, Funktionsweise, Herkunft des Artefakts und ihrer
Erbauer wissen. Man muss also letztlich wissen, worauf man sich bei „Transport“
einlässt, dann wird dem Leser ein kurzweiliges Lesevergnügen bereitet. Bei mir
war es während des Lesens so, dass drei Viertel des Romans mich in den Bann
ziehen konnten, das Ende jedoch ließ mich etwas enttäuscht zurück und hat mich
nicht überzeugt. Ich hätte mir stattdessen gewünscht, dass man auf fremden
Welten mehr über die Erbauer des Artefakts erfährt, mehr Spuren vorhanden sind,
Puzzleteile zu einem größeren Bild zusammengefügt werden. Kurzum: Ich hätte mir
eine kreativere Hintergrundgeschichte gewünscht. Russel bekommt nach meinem
Empfinden zu viel Bedeutung zugewiesen.
Fazit:
Ein Roman, der Action und
Spannung bietet, aber keine große Erzählkunst darstellt.
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