Zeitzeugen berichten

In der Dokumentation „Im Schatten des Mondes“ kommen zehn der insgesamt 24 Astronauten, die den Mond besucht haben, selbst zu Wort (darunter Buzz Aldrin und Michael Collins von Apollo 11, Alan Bean von Apollo 12, Jim Lovell von Apollo 8 und 13, Edgar Mitchel von Apollo 14 und weitere). Sie sind die Zeitzeugen, die ein unvorstellbares Risiko eingegangen sind, um unseren Trabanten zu erreichen. Sie sind die einzigen Menschen unseres Planeten, die jemals einen anderen Himmelskörper betreten haben. Sie sind Pioniere! Und mit dieser Dokumentation wird ihnen ein kleines Denkmal gesetzt.
Der Wettlauf zwischen der UdSSR und den USA wird im Film gut nachgezeichnet. So werden z.B. die gesellschaftspolitischen Umstände der damaligen Zeit immer wieder in den Blick genommen (teils in Form von Original-Fernsehausschnitten von damals). Und es kommt sehr gut zum Ausdruck, dass die Tätigkeit als Test- und Kampfpilot eine wichtige Voraussetzung dafür war, um Astronaut werden zu können. Die interviewten Astronauten erläutern die Abläufe der Missionen und geben preis, was ihnen damals alles so durch den Kopf ging und was sie fühlten (z.B. beim Start der Trägerrakete). Sie lassen uns auf diese Weise ein wenig an ihren Erfahrungen teilhaben, die sie damals gesammelt haben (nach meinem Gefühl, kam vor allem Collins oft zu Wort).
Besonders spannend fand ich die Ausführungen zu Apollo 8 und natürlich zu Apollo 11. So wird z.B. erläutert, wie die Astronauten die drei Tage auf dem Weg zum Mond verbracht haben (es war sogar Zeit für eine Rasur :-) Collins berichtet, dass er sich die ganze Zeit in einem Zustand innerer Anspannung befunden hat, immer mit der Sorge im Hinterkopf, dass etwas schiefgehen könnte. V.a. auch über den Sinkflug und das Landemanöver auf dem Mond wird ausführlich und spannend berichtet. So musste z.B. einiges improvisiert werden, weil der Computer an Bord überlastet war und ausfiel. Ein besonderes Highlight waren Aufnahmen vom Mond, die während einer Fahrt mit einem Mondauto entstanden sind.
Was ich etwas schade fand, war die Tatsache, dass keine Statements von Neil Armstrong integriert wurden. Er und seine Fähigkeiten werden zwar lobend von seinen Kameraden Collins und Aldrin erwähnt, doch ich hätte mir noch mehr Material zu ihm gewünscht. Dass von ihm so wenig zu sehen ist, ist aber wohl dem Umstand geschuldet, dass er nach der Mondlandung ein sehr zurückgezogenes Leben geführt hat und ein sehr bescheidener Mann war. Trotzdem schade! Darüber hinaus wäre es hilfreich gewesen, wenn die Namen der Astronauten, die sich äußern, häufiger eingeblendet worden wären. Hin und wieder war ich ratlos, wer gerade überhaupt spricht, und zu welcher Apollo-Mission er denn gehört.
Als Bonusmaterial gibt es noch eine weitere interessante Reportage mit dem Titel „Behind the shadow“. Darin werden wichtige historische Vorläuferstationen im Vorfeld der Apollo-11-Mission thematisiert, so z.B. der Sputnik-Schock. Erst dieser Schock hat dazu geführt, dass die Amerikaner erkannten, dass sie vermehrt Anstrengungen im Bereich der Raumfahrt unternehmen mussten, um den sowjetischen Kontrahenten zu übertrumpfen. Darüber hinaus wird das Vorläufer-Programm von Apollo genauer vorgestellt: Gemini. In diesen Missionen wurden erstmals Außenbordeinsätze und Andockmanöver trainiert. Zwischendurch kommen immer auch wieder die Astronauten als Zeitzeugen zu Wort und schildern ihre Erinnerungen an diese Zeit. Es wird deutlich, dass die Astronauten viele persönliche Opfer bringen und Risiken eingehen mussten, um erfolgreich zu sein. Und was auch gut zum Ausdruck kommt: Es war ein langer Weg hin zu Apollo 11. Die einzelnen Missionen bauten stark aufeinander auf und setzten verschiedene Schwerpunkte, die im Hinblick auf das Ziel einer zukünftigen Mondlandung trainiert wurden. Viele, viele Tests waren nötig, um wichtige Erfahrungen zu sammeln und dann den großen Schritt auf den Trabanten zu wagen. Kurzum: Es handelt sich bei diesem Bonusmaterial um interessante Ergänzungen zur Hauptdokumentation, die vermutlich dort keinen Platz mehr gefunden haben.
Eine weitere Kurzdokumentation (Dauer: 10 Minuten) thematisiert, wie speziell für die Dokumentation Musik komponiert und arrangiert wurde. Ein wirklich großer Aufwand, der da betrieben wurde. Ich kann jedenfalls bestätigen, dass die für den Film verwendete Musik sehr stimmungsvoll ist und dem Inhalt noch eine besondere Atmosphäre verleiht. An vielen Stellen findet man eine passende musikalische Untermalung, die gut auf die sichtbaren Bilder abgestimmt ist.