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Freitag, 31. Oktober 2025
Garthoff, Sebastian - Tote wird man nicht los
Montag, 27. Oktober 2025
Garthoff, Sebastian - Schattenmann
Donnerstag, 23. Oktober 2025
Morgan, J. O. - Der Apparat
Beam me up, Morgan!
Im
Folgenden gebe ich einen kurzen Einblick in die 11 verschiedenen
Kurzgeschichten, die ich alle, d.h. ohne Ausnahme, sehr gerne gelesen habe. Alle
Geschichten haben ein gutes, gleichbleibend hohes inhaltliches Niveau und regen
immer wieder auch zum Nachdenken an. Sehr gelungen!
Geschichte
1 – Bringen Sie’s rein
Mr.
und Mrs. Pearson erhalten die erstaunliche Möglichkeit, ein Gerät zu testen,
mit dem sich Dinge teleportieren lassen (das erste teleportierte Objekt ist ein
simpler Plastiklöffel). Mit anfänglichen Berührungsängsten nähern sie sich dem
Apparat und sind sich unsicher, ob nicht doch Gefahren von ihm ausgehen. V.a.
Mrs. Pearson beäugt das Gerät skeptisch. Ihr Mann hingegen ist technikbegeistert
und sieht die großen Möglichkeiten. Das Paar streitet sich über die Vor- und
Nachteile des Apparats für die Weltwirtschaft. Der Erzählton ist amüsant und
das ganze Setting wirkt höchst skurril.
Geschichte
2 – Einbahn
Die
Technik hat erste Fortschritte gemacht. Eine ältere Dame zieht mit Hilfe eines
Unternehmens um und lässt ihre Möbel mit Hilfe des Transporters teleportieren.
Die Protagonistin misstraut diesem Ding noch. Ein altes Familienerbstück bringt
sie lieber selbst von A nach B. Es wird die interessante Frage aufgeworfen, ob
ein Replikat noch das Original sein kann.
Geschichte
3 – Der Erste, Mensch
Nun
wird auch der Mensch von der Technologie erfasst. Es wird uns ein Mann
beschrieben, dem bereits Gewebeproben entnommen wurden, die man erfolgreich durch
das Gerät geschickt hat. Er will sich selbst durch die Maschine schicken lassen
und ist menschliches Versuchsobjekt. Und er hat erstaunlich wenig Probleme
damit, sich für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen. Interessant ist auch
die Charakterzeichnung. Der erste Mensch, der teleportiert werden soll, stellt sich als Ekel
heraus, der die Wünsche und Sorgen seiner Frau nicht respektiert. Er ist
dominant, lässt keinen Widerspruch zu. Zweifel an der Richtigkeit des Projekts lässt
er nicht aufkommen. Pflichtbewusstsein geht ihm über alles, er vertraut den
Verantwortlichen des Forschungsprojekts blind. Wird die Teleportation glücken?
Und kommt im Anschluss der gleiche Mann wieder heraus, der in das Gerät
hineingegangen ist?
Geschichte
4 – Trial and Error
Die
gesamte Logistik der Menschheit hat sich verändert. Anstelle von Flughäfen gibt
es nun sog. Telehäfen. Noch scheint die Infrastruktur aber ausbaufähig. Es gibt
nur wenige Geräte, die Schlangen sind noch lang.
Geschichte
5 – Gralssuche
Nun
lernen wir einen mathematischen Analysten kennen, der im Hintergrund an der
Verbesserung des Teleportationssystems arbeitet. Die Funktionsweise des Geräts
wird beschrieben: Dinge werden analysiert, in Einzelteile zerlegt und wieder
zusammengesetzt. Es geht um die exakte Übermittlung von komplexen Informationen
in Form von Zahlen. Das Metier des Analysten sind genau diese Zahlen. Mit ihnen kennt
er sich aus. Bei der Teleportation wird die ausgelesene Information in Zahlen
übersetzt, die nicht verändert werden dürfen. Diesen Prozess gilt es zu
verbessern und zu kontrollieren. Auch ein möglicher Missbrauch des Systems als
Waffe muss bedacht werden. Doch eines Tages muss der Analyst einen Weg finden,
den Teleporter umzuprogrammieren. Als seine Tochter an Krebs erkrankt, sucht er
nach einer Möglichkeit, das infizierte Gewebe durch den Transport entfernen zu
lassen. Wird die Maschine dieses Kunststück vollbringen können?
Geschichte
6 – Ein Missverständnis
Wir
begegnen einer Journalistin, die auf Sensationsjagd ist. Gibt es etwa keine
Skandale, die von der Firma, die für die Transporttechnologie zuständig ist,
zurückgehalten werden? Die Protagonistin macht sich auf die Suche nach
möglichen Vertuschungen. Bei ihren Recherchen stößt sie auf einen mysteriösen
Umstand: Keiner weiß, wie die Transporter genau funktionieren. Man weiß zwar,
dass sie funktionieren, aber was genau beim Teleport passiert, das bleibt im
Dunkeln. Erstaunlich, dass die Menschheit trotzdem arglos auf diese Technologie
zurückgreift. Ist es womöglich sogar denkbar, dass ein Objekt beim Transport
komplett vernichtet wird und an anderer Stelle als Kopie wiederhergestellt
wird? Wird überhaupt Information übertragen? Spannende Fragen, v.a. wenn man
bedenkt, welche Konsequenzen solche Annahmen hätten (Was ist Existenz?).
Geschichte
7 – Letzte Abendmahle
Nun
lernen wir einen aufgeweckten Jungen kennen, der zugleich ein Tüftler ist. Als seine
Eltern einen Heimtransporter anschaffen, macht er sich heimlich daran, das
Gerät näher zu untersuchen. Dabei entdeckt er einen Fehler und will das System
auf eigene Faust optimieren. Was er jedoch nicht bedenkt, sind die
Konsequenzen, die sein Eingriff mit sich bringt. Er bringt sich selbst und
andere in große Schwierigkeiten und stiftet ein heilloses Chaos. Vor der
Weltöffentlichkeit wird ihm schließlich der Prozess gemacht.
Geschichte
8 – Haushaltshilfe
Das
Transportersystem wird erneut weiterentwickelt. Nun benötigt man nur noch eine
Sende- und Empfangsschüssel und der Transport geht kabellos vonstatten. Es ist
sogar möglich innerhalb eines Hauses von Raum zu Raum zu „springen“. Eine
Treppe wird nicht mehr benötigt. Ein ganzes Dorf soll mit dieser
Weiterentwicklung hochgerüstet werden. Doch eine Tochter redet ihrem betagten
Vater ins Gewissen, sich nicht als Versuchskaninchen für dieses neuartige
System zur Verfügung zu stellen.
Geschichte
9 – Ausgeschnitten
Die
menschliche Gesellschaft wird von der Technologie immer stärker durchdrungen.
Die Menschen werden immer abhängiger von der neuen Technik. Auch der Tourismus
wird nun mit Hilfe von Transportern organisiert. Und es kommt erstmals zu einer
(vermeintlichen) Katastrophe. Bei einem Schulausflug verliert eine Mutter ihre
Tochter bei der Teleportation. Sie taucht nicht am Zielort auf und niemand von
den Mitschülern hat gesehen, ob sie in den Transporter eingestiegen ist. Wo ist
sie hin? Und wie lässt sich nachweisen, dass ihr etwas zugestoßen ist?
Geschichte
10 – Ein freier Weg
Es gibt keinen Weg an der Technik vorbei. Die Menschen können gar nicht mehr anders, als sie zu nutzen. Der Alltag wird vollständig von der Transport-Technologie bestimmt. In dieser Kurzgeschichte wird die Frage thematisiert, was man eigentlich während eines Transfers spürt. Wie fühlt es sich an, von A nach B teleportiert zu werden?
Geschichte 11 – Ferner, hin
Nun wird der Blick visionär geweitet. Zwei Männer verfolgen, wie eine Rakete einen Transporter zum Mond bringt. Ein schöner abschließender Ausblick: Die Menschheit beginnt, den Weltraum mit der neuen Technologie zu erobern. Ein Transport von der Erde zum Mond wird dann mehrere Minuten dauern. Dabei kann man wieder über einiges nachdenken: Was passiert in dieser Zeit mit der menschlichen Existenz, wenn man sich in einem solchen „Transport-Zwischenstadium“ befindet, zwischen „nicht mehr hier und noch nicht da“?
Montag, 20. Oktober 2025
Ashton, Edward - Antimatter Blues
Donnerstag, 16. Oktober 2025
Schneider, Frank Holger - Ennos Tanz
Montag, 13. Oktober 2025
Wells, Benedict - Hard Land
Der
Inhalt bewegt und lässt mich als Leser traurig zurück. Über den Zeilen schwebt
Melancholie. Und das zeigt sich auch bei den Figuren. Der Vater z.B. ist
überfordert mit der Lebenssituation und hat Schwierigkeiten damit, seinem Sohn
gegenüber Gefühle zu zeigen. Und der 15-jährige Sam wirkt auf mich verzweifelt.
Die Krankheit seiner Mutter überfordert ihn und ihr Kampf gegen den Krebs
erscheint ihm aussichtslos. Eine äußerst belastende Situation. Ein starker Kontrast entsteht, die beschwerliche Situation zu Hause
auf der einen Seite und die entstehenden Freundschaften während der Ausübung des
Ferienjobs auf der anderen Seite. Alltägliche Sorgen um die Mutter einerseits
und das Ausleben der jugendlichen Freiheit andererseits.
Das
Gefühl von Jugend, Freiheit, Leichtsinn und Unbekümmertheit kommt gut zum
Ausdruck. Noch wissen die jugendlichen Protagonisten nicht, wohin sie ihr Leben
treibt. Und die Begebenheiten des Cliquen-Lebens, von denen erzählt wird, sind
atmosphärisch dicht und treffend aufgeladen. Es ist ein ereignisreicher Sommer
für Sam: Liebeskummer und Sehnsucht, Gefühlschaos und Mutproben. Und zeitgleich: Angst vor dem Verlust der Mutter und
Konfrontation mit dem Tod. Dieses Buch hat es in sich! Man wird bei der Lektüre
emotional gefordert. Einerseits fühlt man sich selbst jung, wenn man das
Buch liest und wird an die eigene Jugendzeit erinnert, andererseits ist da
dieses Tieftraurige, wenn es um die belastende Familiensituation geht. Die
Jugend von Sam wird überlagert von der Krebserkrankung der Mutter. Eine stetige
Verschlechterung des Gesundheitszustands schwebt über allem. Es wird eine große
Bandbreite von Emotionen beim Lesen hervorgerufen. Das ist beachtlich und der
Autor hat das große Talent, eine intensive Wirkung zu erzeugen.
Abschließend
möchte ich noch auf die gelungene Integration einer weiteren Textebene in Form
eines Gedichts eingehen. Dieses fiktive Gedicht trägt den Titel „Hard Land“ und
taucht immer wieder auf. Es eröffnet wunderbare intertextuelle
Interpretationsspielräume. Eine schöne Idee des Autors! Vor allem das Ende,
fand ich klasse: Beide Textebenen verschmelzen kreativ miteinander. Und mit der
Interpretation des Gedichts am Ende des Romans wird gleichzeitig eine mögliche Interpretation
des Werks selbst eröffnet. Das hat mir richtig gut gefallen. Es gibt auch viele
weitere intermediale und intertextuelle Verweise, die sich wunderbar vor dem
Hintergrund des Ausgangstexts interpretieren lassen. Ein großartig kunstvolles
Arrangement, wie ich finde! Von mir gibt es für dieses Buch 5 Sterne.
Freitag, 10. Oktober 2025
Scarlett, Sophie - Totgespritzt
Dem Mörder auf der Spur
Vor unserem inneren Auge werden alle Facetten von Polizeiarbeit ausgebreitet: Die Spurensicherung, die rechtsmedizinische Untersuchung des Leichnams, die Informierung der nächsten Angehörigen über den Todesfall, Zeugenbefragungen und die Vernehmungen von Verdächtigen. Und wir lernen eine charismatische Ermittlerin kennen, die unter Panikattacken leidet: Johanna Baro. Es gibt viele Textstellen, die heftig unter die Haut gehen. Das Geschriebene kann oft emotionale Betroffenheit erzeugen. Das hat mir richtig gut gefallen. Auch der klare Schreibstil der Autorin überzeugt über weite Strecken und kann fesseln. Darüber hinaus wird den Figuren durch Rückblicke eine psychologische Tiefe verliehen. Das ist geglückt. Der Thriller offenbart viele gute Ansätze: So hat mir auch gefallen, wie Handlungsstränge parallel entwickelt werden und zusammen kulminieren (die Entwicklung des Täters auf der einen Seite, der Fortgang der Ermittlungen auf der anderen Seite). Später ist es dann die zeitgleiche Befragung von Zeugen durch die beiden polizeilichen Ermittler, die mich überzeugt hat. Beide Vernehmungen greifen gut ineinander und sind durch flotte Perspektivwechsel gut aufeinander abgestimmt. Die packendste Stelle war für mich, als wir nah am Täter drin sind und geschildert wird, wie dieser seine Tat plant und ausführt. Diese Passagen habe ich mich hoher innerer Anspannung gelesen. Das innere Erleben der Figuren ist oft nachvollziehbar und anschaulich greifbar. Eine atmosphärisch dichte Beschreibung, die treffend zur Situation passt, wird ebenfalls stellenweise gut deutlich. Der Wechsel zwischen Gegenwarts- und Vergangenheitsebene ist vor allem in der ersten Hälfte des Buchs gut durchdacht. Kurzum: Die Autorin macht in ihrem Debut vieles richtig.









