Flucht und Liebe
Doch
der erste Einstieg in die Serie lässt mich etwas enttäuscht zurück. Wieder
einmal wird uns eine militaristisch geprägte und autorität geführte
Gemeinschaft präsentiert, die nicht sehr einladend wirkt. Kennen wir das nicht
schon? Das einzige, was neu ist: Sie ist größer und besser organisiert als
alles, was man bisher kennen gelernt hat. Atlanta, Omaha und Portland bilden
als Städte eine Allianz. Und es scheint doch mehr an Strukturen erhalten
geblieben zu sein, als man anfangs dachte… aber das allein reißt mich noch
nicht mit; zumal das, was in den Städten vor sich geht, für mich zu sehr im
Dunkeln bleibt.
Was
die Serie ausmacht, ist in meinen Augen Rick, dessen Abschied aus der
Original-Serie damals für mich überraschend war. Er trägt „The Ones Who Live“
maßgeblich. Deutlich wird zu Beginn wieder sein unbändiger Wille, sich nicht
unterzuordnen. Er ist durch und durch ein Kämpfer. Er will aus der
Gemeinschaft, in der er gefangen gehalten wird, fliehen. Und er ist dafür
bereit, einen hohen Preis zu zahlen. Doch was man auch sieht, ist, dass er eine
dynamische Entwicklung durchläuft. Das ist gut! Wir erleben mit, wie sich Rick
in seiner neuen Umgebung einordnet und allmählich fügt. Ab einem gewissen Punkt
wirkt er gebrochen, eingeschüchtert und regelrecht verängstigt. Oder spielt er
doch nur ein doppeltes Spiel und wir erleben als Zuschauer eine große
Überraschung? Das möchte ich hier nicht verraten. Das möge jeder selbst
herausfinden.
Was
ebenfalls gut gelungen ist, sind die Cliffhanger am Ende einer Folge. Die sind
wirklich stark, so dass man immer direkt wissen möchte, wie es weitergeht. Auch
die perspektivische Gestaltung und der Einbau von Vor- und Rückblenden hat mir
gefallen. Ich habe zu jedem Zeitpunkt die Übersicht behalten und bin nicht
verwirrt worden. Wird die erste Folge noch aus Ricks Sicht präsentiert, so wird
dieser Blickwinkel in Folge 2 um Michonnes Perspektive erweitert. Danach
greifen beide Sichtweisen ineinander. Das ist gut gemacht. Im weiteren
Handlungsverlauf entsteht dann eine Geschichte um Liebe und (möglicher) Flucht.
Auch das reißt mit. Allerdings kann die Serie nach meinem Empfinden ihr Niveau
nur in den ersten vier Folgen halten. Folge vier wird schon schwächer (ist mit
dem Bild des einstürzenden Hauses aber sehr schön symbolisch aufgeladen worden)
und in den letzten beiden Episoden habe ich einen deutlichen Qualitätsverlust
wahrgenommen, was v.a. mit den Ereignissen rund um Anne zusammenhängt, deren
Handeln sich mir nicht erschließt. Die Logik wird zunehmend löchrig. Schade,
schade!
Was
mich ebenfalls nicht überzeugt hat, war das Ausmaß an Gewalt, das sich die
Macher der Serie dieses Mal haben einfallen lassen. Man merkt, dass den Autoren
die Ideen ausgehen und immer wieder neue, noch gewalthaltigere Dinge kreiert
werden, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. Ich brauche das nicht, aber
nun gut…Dieses Mal kommen Napalm und Chlorgas zum Einsatz, um die „Beißer“ zu
bekämpfen. Später sind es dann von Geysiren verunstaltete Zombies, die wir zu
sehen bekommen. Für mich schlägt die Serie hier eine falsche Richtung ein. Und
noch ein Tabubruch ist mir aufgefallen: Eine schwangere Frau muss sterben und
verwandelt sich. Noch etwas: Zu Beginn der Serie macht es den Eindruck, als sei
es das Ziel, möglichst viele entstehende Bindungen zwischen den Figuren in
rascher Abfolge immer wieder zu zerschlagen. Eine solche hohe Taktung von
beginnender Freundschaft und Verlust habe ich bisher in noch keiner anderen
Serie aus dem TWD-Franchise wahrgenommen. Auch das hat mich nicht überzeugt. So
komme ich abschließend auf 3 Sterne.
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