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Donnerstag, 3. April 2025

Hillenbrand, Tom - Thanatopia


Sehr verschachtelt und mit großer Offenheit

 



Bei dem Thriller „Thanatopia“ handelt es sich um den dritten Teil einer Reihe aus der sog. Hologrammatica-Welt. Die Lektüre setzt einige Vorkenntnisse voraus und kann in meinen Augen nicht unabhängig von Band 1 und 2 gelesen werden (vgl. dazu frühere Rezensionen, die einen Einstieg in die Werke erleichtern dürfte). Die Erzählweise ist zudem vielschichtig und verlangt konzentriertes Lesen (so habe ich es zumindest empfunden). Man muss ein wenig Geduld aufbringen, um die verschiedenen Handlungsstränge kennenzulernen und zu überblicken. Das geht (leider, leider) auf Kosten der Spannung, aber dafür bietet das Buch einfach einen fantastisch-kreativen futuristischen Weltenentwurf, der nicht nur durchdacht, sondern auch facettenreich daherkommt. Im Folgenden stelle ich die verschiedenen Handlungsebenen vor, verrate aber nicht, worauf sie hinauslaufen werden oder wie sie zusammenhängen. Das möge jede und jeder selbst während der Lektüre herausfinden.

 

Percy Singh

Zu Beginn erleben wir mit, wie Percy Singh, (der Bruder von Galahad Singh, den wir noch als Quästor aus Band 1 kennen), mit seinem Vater eine kleine griechische Insel in der Nähe des Lichtdoms besucht. Geheimnisvolles geht dort vor sich und Percy versteht nicht recht, was sein Vater dort treibt. Er stellt aber fest, dass sich das Verhalten seines Vaters auf merkwürdige Weise verändert. Was steckt dahinter?

 

Wenzel Landauer

Der altersmüde, fast 75 Jahre alte und damit dienstälteste Kommissar Wenzel Landauer, der einen ausschweifenden Lebensstil pflegt und etwas zu viel auf den Rippen hat, findet in Wien eine Wasserleiche. Bei den Ermittlungen zeigt sich, dass bereits zwei Tage zuvor eine Leiche aufgetaucht ist, die dieselbe DNA aufweist. Es drängt sich der Verdacht auf, dass es sich um Klone handelt. Doch welches Opfer ist Original, welches ist Fälschung?  Oder handelt es sich gar um zwei nicht-registrierte Klone? Wenzel macht sich auf die Suche nach dem Täter und will klären, ob es einen Stammkörper zu den Opfern gibt. Was wird er herausfinden?

 

Sahana Kapoor

Die Physiker-Professorin Sahana muss den Vergleich mit Albert Einstein nicht scheuen. Sie ist 86 Jahre alt und stellt das kosmologische Weltbild mit ihren Forschungen auf den Kopf. Sie besucht einen Kongress und wird anschließend in einen Autounfall mit einem sog. „Crasher“ verwickelt. Wird sie überleben?

 

Stasja Tschernow

Bei Stasja handelt es sich um eine sog. Thanatonautin, die mehr über den Tod und ein mögliches Leben danach erfahren möchte und ein exzessiv-rauschhaftes Leben führt. Sie erforscht v.a. die Grenzregion zwischen dem „Nicht-mehr-leben“ und dem „Noch-nicht-tot-sein“. Die Prozedur, die sie durchläuft, um sich selbst zu töten, nennt man „Deathtrip“. Für das Verfahren nutzt sie Klonkörper, aus denen sie ihr Bewusstsein anschließend immer wieder neu herunterlädt, um mögliche Erkenntniszugewinne zu sichern und für weitere Trips verfügbar zu halten. Wird sie es schaffen, das Rätsel um den Tod zu lösen?

 

Carprentras Skyes

Skyes arbeitet bei der Behörde UNANPAI, die sich darum kümmert, kriminelle Nutzung von Künstlicher Intelligenz zu überwachen und auch einzudämmen. Carprentras zentrale Aufgabe ist es, den wiederaufgetauchten Galahad Singh zu verhören, der als erster und einziger die sog. Knossos-Anomalie (= Lichtdom) betreten hat. Was wird Singh berichten?

 

Abschließend ein paar kritische Worte: Für mich bleibt wieder einiges offen. So hätte ich mir v.a. noch mehr Informationen zu dem Rätsel um den Lichtdom gewünscht. Die Hardlights finden nur am Rande einmal Erwähnung, es wird ihnen aber kein großer Raum zugestanden. Von Perrotte fehlt noch jede Spur, auch sie wird nur punktuell einmal erwähnt. Diese Offenheit erinnert mich sehr, sehr stark an Band 2 („Qube“), habe ich sie doch da schon bemängelt. Positiv gesehen, bedeutet das, dass es (hoffentlich bald?) noch eine Fortsetzung geben wird. Negativ betrachtet, finde ich es schade, dass man als Leser so auf die Folter gespannt wird und immer wieder aufs Neue enttäuscht wird, nicht mehr zu erfahren. Ich bin kein Freund davon. Die Komplexität der Reihe macht es mir als Leser auch nicht leicht, einen zügigen Einstieg zu finden und alles im Kopf zu behalten. Das finde ich etwas schade. Manchmal ist weniger mehr. Ich bin mir unschlüssig, ob ich die Reihe noch weiterverfolgen werden. Dürfte ich mir etwas wünschen, so würde ich dem Autor zu einem raschen Abschluss der Reihe raten und das Hologrammatica-Universum mit anderen (weniger verschachtelten?) Geschichten weiter auszubauen. Denn die vielen Ideen, die Hillenbrand zündet, sind es wert, noch weiter erzählt zu werden.

Mittwoch, 2. April 2025

McFadden, Freida - Die Kollegin


Hohe Spannung und schräge Figuren



Eines Morgens erscheint Dawn nicht pünktlich zur Arbeit und die Kolleginnen lästern bereits darüber (allen voran Kim und Natalie, die in der Bürozelle neben ihr arbeitet). Schließlich ist Dawn sonst äußerst strukturiert und vorbildlich, sie plant ihren Arbeitstag penibel, bis hin zu den Toilettenpausen. Von den anderen wird sie als seltsam wahrgenommen und ist nicht sehr beliebt. Hinter ihrem Rücken machen sie sich des Öfteren über sie lustig.


Kurze Zeit später findet man in Dawns Wohnung jede Menge Blut, allerdings keine Leiche. Was ist dort nur passiert? Und wohin ist Dawn verschwunden? Diese Fragen treiben die Handlung voran. Und Natalie hat große Angst, dass sie verdächtigt werden könnte, Dawn etwas angetan zu haben. Vermutlich hat sie ein schlechtes Gewissen und weiß genau, dass ihr oft intrigantes Verhalten gegenüber Dawn ein schlechtes Licht auf sie werfen könnte. Natalie erscheint uns als höchst unsympathische Figur. Sie ist das, was manche als richtige Tussi bezeichnen würden. Und sie schreckt auch vor Mobbing und Ausgrenzung von Dawn nicht zurück. 


In Rückblicken in Form von E-Mails können wir uns dann ein besseres Bild von Dawn machen. Sie schreibt regelmäßig an ihre beste Freundin Mia und gewährt einen Einblick in ihr Arbeits- und Seelenleben. Es wird z.B. deutlich, dass sie sehr schüchtern, scheu und unsicher ist. Gleichzeitig kann sie sehr pedantisch sein. Und sie steckt ihre Nase teils in Dinge, die sie nichts angehen. Ihre große Vorliebe für Schildkröten-Figuren lässt sie zudem etwas schrullig wirken. Sie hat wenig Freunde und agiert in sozialen Situationen oft unbeholfen. Auch eckt sie häufig an (u.a. bei ihrem Chef) und wird als anstrengend empfunden, weil sie hartnäckig unbequeme Wahrheiten ausspricht. Natalie bewundert sie jedoch, himmelt sie förmlich an und möchte gern mit ihr befreundet sein (sie hat also einen völlig falschen Eindruck von ihr).


Die Spannungskurve in diesem Thriller ist konstant hoch. Und natürlich gibt es auch den von McFadden inzwischen erwartbaren (genialen?) Plot-Twist, der die Handlung wieder in einem anderen Licht erscheinen lässt. Das alles hat mich überzeugt. Der Schreibstil bzw. die Übersetzung liest sich sehr flüssig. Man rast durch die Seiten. Eine Sogwirkung wurde spürbar (die bei mir selten vorkommt). Doch es gibt auch Dinge, die ich kritisch anmerken möchte. So erschienen mir dieses Mal einige Handlungselemente zu weit hergeholt und zu übertrieben. Ich fand nicht alles glaubwürdig, was mir so präsentiert wurde (v.a. nach dem Plot-Twist). Teils wirkte es etwas unrealistisch und konstruiert. Die Reihe um Millie fand ich insgesamt besser (auch Band 3). Ich komme deshalb auf (immer noch gute) 4 Sterne!

Dienstag, 1. April 2025

McFadden, Freida - Weil sie dich kennt


Millies Hochzeit



An ihrem Hochzeitstag erhält Millie einen Anruf mit einer Morddrohung und gleichzeitig erleben wir die letzten Hochzeitsvorbereitungen mit. Die Drohung bringt Millie überhaupt nicht aus der Fassung. Sie duscht erst einmal in Ruhe. Sie will sich schließlich den Tag nicht ruinieren lassen. Wir erfahren auch, dass Enzo Millie (ganz romantisch) einen Antrag gemacht hat, weil sie schwanger war. Und die letzten Vorbereitungen laufen alles andere als glatt. Aufgrund des angewachsenen Baby-Bauchs passt Millie plötzlich nicht mehr in ihr Hochzeitskleid und Enzo versucht das Problem zu lösen.

Kaum ist Enzo unterwegs, erhält Millie noch einmal einen bedrohlichen Anruf und stellt fest, dass sie beobachtet wird. Die Bedrohungssituation spitzt sich zu. Millie fühlt sich auf einmal doch eingeschüchtert. Die Spannung zieht spürbar an. Wie wird Millie mit dieser Situation umgehen? Wird sie sich aus ihrer misslichen Lage befreien können? Wenn ja, wie?

Und gleichzeitig wird ein humorvoller Kontrast deutlich. Auf der einen Seite laufen die zu treffenden Hochzeitsvorbereitungen weiter, auf der anderen Seite nimmt die Gefahr für Millie zu. Und es ist irrwitzig, dass Millie Enzo nichts von den Anrufen erzählt, weil sie den Tag nicht verderben will. Es ist jedenfalls erstaunlich, dass die Autorin auf wenigen Seiten erneut in der Lage ist, eine hohe Spannung zu konstruieren und gleichzeitig amüsante Effekte einzubauen. Alles läuft auf den Höhepunkt der Hochzeitszeremonie hinaus. Herrlich absurd! Und sogar im Rahmen dieser Kurzgeschichte verzichtet die Autorin nicht auf einen geglückten Plot-Twist. Durch einen eleganten Perspektivwechsel am Ende erscheint plötzlich das Geschehen in einem anderen Licht. Toll arrangiert. Von mir gibt es für diese Kurzgeschichte 5 Sterne!