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Mittwoch, 12. März 2025

Green, Hank - Ein wirklich erstaunliches Ding


Mediale Aufmerksamkeit und ihre Konsequenzen



Auf dem Weg nach Hause stößt die 23-jährige Grafikdesignerin April eines Nachts in New York auf eine Skulptur, die aussieht wie ein Roboter und ihr den Atem verschlägt. Sie ist so fasziniert von der Figur, dass sie ihren Freund Andy kontaktiert und ihn darum bittet, ein Video davon aufzunehmen. Darin übernimmt sie die Moderation. Später geht dieses Video viral. April und Andy erhalten zahlreiche Reaktionen auf ihren Youtube-Beitrag und schnell stellt sich heraus, dass solche Skulpturen auf der ganzen Welt aufgetaucht sind, und keiner weiß, wer sie aufgestellt und was es mit ihnen auf sich hat. Der Ereignisse überschlagen sich. Andy und April erhalten Interviewanfragen von Fernsehsendern und verdienen innerhalb kürzester Zeit viel, viel Geld. Sie durchlaufen eine Schleife medialer Aufmerksamkeit.


Es wird deutlich, dass April mit diesem Hype um ihre Person wenig anfangen kann. Der ganze mediale „Zirkus“ wird von ihr recht negativ wahrgenommen. Sie behält eine kritische Distanz zum Geschehen und gerade das macht sie besonders authentisch. Ihr ist die Meinung anderer nicht so wichtig und sie passt sich nicht vorschnell an die Erwartungen an, die von außen an sie herangetragen werden (Andy wirkt da deutlich angepasster). Kurzum: April bewahrt sich ihre Freiheit, Unabhängigkeit und Unbedarftheit. Und Andy und April treiben ihre eigene mediale Inszenierung voran. Ihr medialer Auftritt wird im Laufe der Zeit immer professioneller und sie machen von Marketing-Tricks Gebrauch. Sie wollen den maximalen Profit aus der Aufmerksamkeit ziehen und diese so lange aufrechterhalten wie möglich. Dabei zeigt sich aber auch, unter welchem Druck v.a. April steht. Sie geht voll in ihrer Aufgabe auf und will stets als Erste neue Informationen zur Figur posten. Dabei muss sie sich auch gegen Konkurrenten durchsetzen und Anfeindungen aushalten. Sie zahlt also einen hohen Preis für ihren medialen Erfolg.


Neben der Kritik an den Medien, die in diesem Roman durchscheint, geht es auch darum, das Rätsel um die Skulptur aufzulösen. Was hat es mit ihr auf sich? Handelt es sich etwa um eine außerirdische Kontaktaufnahme? So findet man z.B. heraus, dass das Material aus dem die Figur hergestellt wurde, nicht-irdische Eigenschaften aufweist. Auch diese Fragen treiben die Handlung voran. Im weiteren Handlungsverlauf zeigt sich dabei auch, dass die Menschheit im Wesentlichen in zwei Lager zerfällt, und zwar in diejenigen, die etwas Schlechtes in der Skulptur sehen, und in diejenigen, bei denen sie Hoffnungen auf eine bessere Zukunft weckt. Die Stimmung zwischen den Anhängern dieser beiden Lager wird zunehmend aufgeheizter. Eine interessante Analyse der Psychologie von Massen, die hier deutlich wird.


Der Erzählton ist sehr jugendlich und erfrischend. An vielen Stellen finden sich direkte Leseransprachen, die den Inhalt auflockern und einen persönlichen Draht zur Leserschaft herstellen. Ab und zu schüren vorausdeutende Aussagen weiter die Neugier. Das ist gut gemacht. Darüber hinaus ist die Handlung auch nicht langatmig. Es gibt immer wieder neue Entwicklungen, die das Geschehen in eine neue Richtung lenken. Auch das hat mir gut gefallen. Lediglich das Ende fand ich etwas enttäuschend. Das war mir insgesamt zu dünn, was als Auflösung präsentiert wurde. Die Erwartungshaltung, die geschürt wurde, war schließlich ziemlich hoch. Sie wurde aber in meinen Augen nicht zufriedenstellend bedient. Ein paar mehr Informationen und Hintergründe zu dem, was sich ereignet hat, hätte ich mir schon noch gewünscht.

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