Rache
Frank erhält einen Briefumschlag mit einem Memory-Stick. Neugierig wie er ist, schaut er sich an, was darauf zu finden ist. Er entdeckt eine Textdatei mit einer mysteriösen Botschaft: „Gehe morgen, Sonntag, um Punkt zwölf auf diese Seite. Und kein Wort. Zu niemandem. Es geht um ein Leben. http://www.das-spiel.to (S. 13).“ Frank hält die Sache zunächst für einen Scherz oder für eine Werbeaktion. Seiner Frau Beate erzählt er nichts davon. Als er die Seite am nächsten Tag besucht, sieht er, wie ein Mann auf bestialische Weise gequält wird. Frank soll eine Aufgabe erfüllen, damit der Mann freikommt. Er soll auf einem Brückengeländer balancieren. Scheitert er daran oder lehnt er die Aufgabe ab, so wird der Mann sterben.
Frank nimmt die Sache nicht ernst und tatsächlich wird der Mann kurz danach ermordet. Derjenige, der den Mord begangen hat, gibt sich daraufhin als Festus zu erkennen. Dieser Name löst bei Frank etwas aus. Festus kennt er aus seiner Vergangenheit. Doch was es mit ihm auf sich hat, erfahren wir als Leser zunächst nicht. Das wird in eingeschobenen Rückblickskapiteln nach und nach aufgelöst. Dabei wird klar, dass Frank im Alter von 13 Jahren rücksichtslos agiert hat. Zusammen mit anderen Bandenmitgliedern hat er Festus, einen behinderten Jungen, der in die Bande aufgenommen werden wollte, eine Mutprobe abverlangt, die für Festus schwerwiegende Konsequenzen hatte. Doch was ist genau passiert? Was haben sich die Freunde von damals zuschulden kommen lassen? Warum soll an ihnen Rache verübt werden? Und wer steckt hinter dem Racheplan?
Im Folgenden wird Frank dazu genötigt, Bedingungen zu erfüllen, damit weitere Menschen nicht ihr Leben verlieren. Dafür wird er an einen abgelegenen Handlungsort gelockt (einen ehemaligen Atombunker). Und er stellt fest, dass er nicht alleine an diesem „Rachespiel“ teilnimmt, sondern auch die drei Bandenmitglieder von früher: Jens, Thorsten und Manuela. Sie werden im Bunker eingeschlossen und sollen Anweisungen von Festus abwarten. Wenn sie diese nicht befolgen, wartet eine Strafe auf sie. Dabei wird deutlich, dass die vier Freunde sich inzwischen nicht mehr so gut verstehen. Sie haben sich jahrelang nicht gesehen und sich voneinander entfremdet. Vor allem Thorsten tanzt aus der Reihe und verhält sich unberechenbar. Er will bei dem „Spiel“ nicht mitmachen. Es kommt zu Streitereien. Jede und jeder ist sich dabei selbst der nächste. Sie gehen nicht ehrlich miteinander um. Und der Täter, der hinter dem Racheplan steckt, hetzt die Freunde weiter gegeneinander auf und versetzt sie bewusst in Konkurrenzsituationen.
Ich habe diesen Thriller gelesen, weil ich ihn mit „Happy Weekend“ vergleichen wollte. Der Inhalt wies für mich erkennbare Parallelen auf. Auch hier geht es um Rache, auch hier spielt ein abgelegener Handlungsort eine Rolle, auch hier werden Aufgaben gestellt, die bewältigt werden müssen. Doch durch das Zusammenspiel der vier Freunde entsteht eine ganz andere Dynamik als in „Happy Weekend“. Und die Atmosphäre des Bunkers wird gut eingefangen. Mit den Handytaschenlampen, die nach und nach ihren Geist aufgeben, wird auch gut die Spannung forciert. Ich fand „Rachespiel“ inhaltlich deutlich besser gelungen als den aktuellen Thriller von Strobel, den ich erst kürzlich rezensiert habe. Interessanterweise spielt hier der Grad an geschildertem Sadismus auch keine große Rolle. Für mich ein Beweis dafür, dass man darauf verzichten kann, ohne dass die Spannungskurve darunter leidet. Insgesamt ist das Buch in sich rund. Der Abschluss ist gelungen. Gehört für mich zu den besseren Büchern des Autors.
Querverweise:
Weitere Bücher von Arno Strobel, die ich rezensiert habe:
- Tiefe Narbe (2017)
- Offline (2019)
- Die App (2020)
- Sharing (2021)
- Fake (2022)
- Mörderfinder. Die Spur der Mädchen (Band 1/2021)
- Mörderfinder. Die Macht des Täters (Band 2/2022)
- Mörderfinder. Mit den Augen des Opfers (Band 3/2023)
- Der Trip (2023)
- Die App (2020)
- Sharing (2021)
- Fake (2022)
- Mörderfinder. Die Spur der Mädchen (Band 1/2021)
- Mörderfinder. Die Macht des Täters (Band 2/2022)
- Mörderfinder. Mit den Augen des Opfers (Band 3/2023)
- Der Trip (2023)
- Stalker (2024)
- Gegenspieler (zusammen mit Ingo Bott / 2024)
- Welcome Home (2025)
- Happy Weekend (2026)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen