Suche nach der Wahrheit
Arlo (38) steht kurz vor seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Trotz der Schwere seiner Schuld – er hat seinem Bruder nach dessen Tatausübung Beihilfe zur Flucht geleistet – hat er sich während seiner Haftzeit als mustergültiger Häftling erwiesen. Arlo plant in die Kleinstadt zu seiner Mutter zurückzukehren, wo sich die Tat ereignet hat. Eine Entscheidung, bei der Ärger vorprogrammiert ist. Denn die Kleinstadt vergisst nicht und ist nicht bereit, Arlo seine Schuld zu vergeben. Der Empfang dort ist alles andere als herzlich. Und der hiesige Polizeichef gibt ihm den Rat, nicht zu lange in der Stadt zu bleiben…
Seinem jüngeren Bruder Luke wurden Vergewaltigung und Mord zur Last gelegt. Bevor es zur Verhandlung kam, hat dieser sich selbst umgebracht. Diese Ereignisse liegen 12 Jahre zurück und geschahen im Jahr 2001. In Rückblicken, die mit dem restlichen Inhalt sehr kunstvoll verwoben werden, erfahren wir mehr über diese Zeit und über Luke und weitere Figuren, die damals eine Rolle spielten. Arlo hat seinen Bruder sehr geliebt und ihn auch beschützt. Man muss wissen, dass Luke geistig beeinträchtigt war, da es bei der Geburt Komplikationen gab. Schulisches fiel ihm schwer. Er war langsamer als seine Altersgenossen. Die Vermutung steht im Raum, dass er ein leichtes Opfer für die Justiz war. Doch was genau ist damals passiert? Nach und nach fügen sich die Puzzleteile zusammen und ergeben am Ende des Buchs ein (schlüssiges) Gesamtbild.
Als Arlo in seine Heimatstadt zurückkehrt, erfährt er von einem Nachbarn, dass seine Mutter einen Schlaganfall hatte. Sie befindet sich im Pflegeheim und wirkt desorientiert. Das Haus steht leer. Arlo beschließt, sein Elternhaus zu renovieren, um es zu verkaufen. Er stellt sich darauf ein, eine längere Zeit in der Stadt zu bleiben. Von den Einwohnern und Nachbarn wird er stets kritisch beäugt und es kommt auch zu Anfeindungen. Teils schlägt ihm offener Hass entgegen. Die Einzige, die ihn freundlich aufnimmt, ist seine ehemalige Freundin Helen, mit der er gemeinsam die Schule besucht hat. In ihr findet er eine wichtige Stütze. Wie es der Zufall will, stößt Arlo bei Aufräumarbeiten auf einen Brief eines Zellennachbarn von Luke, der an die Mutter adressiert wurde. Darin wird deutlich, dass bei der Vernehmung von Luke auch Polizeigewalt im Spiel war. Arlo beginnt damit, die vergangenen Ereignisse wieder aufzurollen und Nachforschungen anzustellen. Er zweifelt an der Schuld seines Bruders und sucht Rat bei einer Anwältin. Alte Akten und Unterlagen werden durchforstet. Was wird dabei ans Tageslicht kommen?
Das Buch ist sehr atmosphärisch, der Schreibstil wunderbar und bildreich. Ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. Das Finale ist packend und steuert auf einen fulminanten Höhepunkt zu, der das gesamte Buch noch einmal gelungen abrundet. Und noch etwas: Die Figurenzeichnung ist einfach klasse, v.a. Saxon ist mir während der Lektüre mit ihrer kecken, intelligenten, rebellischen Art richtig ans Herz gewachsen. Zu allen relevanten Figuren gibt es eine reichhaltige Vorgeschichte, so dass die Charaktere tiefgründig geraten. Ich war emotional am Geschehen beteiligt, v.a. zum Ende hin. Ein großartiges Buch, das Robotham hier abgeliefert hat. In „Bruderherz“ steckt viel Herzschmerz.
Querverweise:
Weitere Bücher von Robotham, die ich rezensiert habe:
- Schweige still (Cyrus Haven, Band 1/2020)
- Fürchte die Schatten (Cyrus Haven, Band 2/2020)
- Wenn du mir gehörst (2022)
- Fürchte die Schatten (Cyrus Haven, Band 2/2020)
- Wenn du mir gehörst (2022)
- Die weiße Krähe (2025)

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