Locked-Room-Thriller
Inmitten eines beginnenden Schneesturms fahren Tricia und ihr Ehemann Ethan zu einer Hausbesichtigung. Beide haben erst kürzlich geheiratet. Da die Maklerin noch nicht da ist, verschaffen sie sich mit einem Zweitschlüssel, der in einem Blumentopf versteckt ist, Zugang zum Haus.
Tricia hat bei dem Objekt, das sie und Ethan besichtigen, kein gutes Bauchgefühl, doch sie behält ihre Vorbehalte zunächst für sich. Ethan hingegen liebäugelt bereits mit einem Kauf des Hauses. Anders als Ethan fühlt sich Tricia in dem Haus nicht wohl. Hier wird ein schöner Kontrast deutlich. Von der schieren Größe des Anwesens sind beide äußerst beeindruckt. Es liegt abgelegen und ist in preislicher Hinsicht ein richtiges Schnäppchen. Für die Familienplanung der beiden käme es gerade recht.
Die Vorbesitzerin des Hauses war eine Psychiaterin (Dr. Adrienne Hale), die vor einigen Jahren spurlos verschwunden ist und deren Leiche nie gefunden wurde. Wegen des Schneesturms müssen Ethan und Tricia eine Nacht im Haus verbringen. Sie sind von der Außenwelt abgeschnitten. Ihre Handys haben keinen Empfang. Das verlassene Haus verströmt eine unheimliche Atmosphäre, die gut zum Ausdruck kommt. Schon bald entdeckt Tricia ein Geheimzimmer, in dem sich jede Menge Kassetten mit Aufnahmen von Therapiesitzungen befinden. Neugierig wie sie ist, nimmt Tricia einige der Kassetten an sich. So hört sie sich die letzten Aufzeichnungen an, die Dr. Hale angefertigt hat. Was wird Tricia herausfinden?
Auf der Vergangenheitsebene erfahren wir mehr über die verschwundene Adrienne. Sie wohnte ganz allein in dem riesigen Haus. Dort fand sie die nötige Ruhe, um zu schreiben und ihren Beruf auszuüben. Adrienne führte ein zurückgezogenes Leben. Freunde hatte sie keine. Neben den eingeschobenen Protokollen der Therapiegespräche, die Tricia sich anhört, werden auch weitere Kapitelabschnitte integriert, die Dr. Hales Gedanken- und Gefühlswelt offenbaren. Die Psychiaterin wirkt unterkühlt, sachlich und distanziert. Sie hinterlässt keinen sympathischen Eindruck.
Was auffällt: Tricia ist immer sehr darum bemüht, es ihrem Mann recht zu machen. Sie traut sich nicht für ihre eigene Meinung einzustehen. U.a. verheimlicht sie vor ihm eine Schwangerschaft, weil sie nicht weiß, wie er darauf reagieren wird. Kurzum: Sie ist alles andere als durchsetzungsstark und wirkt dadurch schwach.
Zum Buch selbst: Es ist mal wieder ein typischer Thriller aus der Feder von McFadden. Die Zutaten, die man aus anderen Werken der Autorin kennt, tauchen auch hier wieder auf. Der Plot ist durchdacht und in sich schlüssig. Am Ende bin ich wieder einmal überrascht worden. V.a. zum Ende hin nimmt die Spannung deutlich zu. Was will man mehr? Das Buch liest sich zudem unheimlich flüssig. Das Einzige, was man bemängeln könnte, ist der Umstand, dass der Thrill erst spät einsetzt. Aber dafür hat er es dann auch in sich. Wer spitzfindig ist, könnte noch bemängeln, dass die Gestaltung von Tricias Innenwelt nicht ganz rund ist, aber nun gut…Für mich ist und bleibt die Autorin ein Phänomen. Wie sie immer wieder in der Lage ist, durchdachte Plots mit Überraschungseffekt zu gestalten, ist schon beachtlich. Sie legt die Messlatte für andere Autoren sehr hoch und ist nach wie vor sehr beliebt bei ihrer Leserschaft. Aktuell ist sie mit sieben (!) Titeln in der Bestsellerliste vertreten (Stand: 18.09.26).
Querverweise:
Weitere Bücher von Freida McFadden, die ich rezensiert habe:
- Wenn Sie wüsste (Millie 1, 2023)
- Sie kann dich hören (Millie 2, 2024)
- Sie wird dich finden (Millie 3, 2024)
- Weil sie dich kennt (2025)
- Die Kollegin (2025)
- Der Lehrer (2025)
- Der Freund (2025)
- Die Ehefrau (2026)
- Häftling (2026)

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