Dieses Blog durchsuchen

Montag, 19. Januar 2026

McFadden, Freida - Der Freund




McFadden überzeugt erneut




Sydney ist auf der Suche nach dem Richtigen und nutzt dafür eine Dating-App. In einem Restaurant trifft sie sich mit Kevin. Doch das Profilbild und sein tatsächliches Aussehen weichen deutlich voneinander ab. Sydney ist sehr enttäuscht und scheut sich nicht davor, in seinem Beisein das Handy zu zücken, die App zu öffnen und ihn mit dem Foto zu vergleichen (sehr charmant :-). Ein kurioser Einstieg. Es wird sofort deutlich, dass Sydney Kevin nicht sonderlich attraktiv findet. Auch verläuft das Date sehr sonderbar. Das ist schon amüsant zu lesen. Beide haben überhaupt kein Problem damit, einander offen und direkt mitzuteilen, was sie am jeweils anderen stört. Noch dazu benimmt sich Kevin ziemlich daneben. Und bei Sydney setzt eine Fluchtimpuls ein. Ungeduldig wartet sie auf den vorher verabredeten Anruf einer Freundin, um sich aus ihrer misslichen „Date-Lage“ zu befreien. Doch der Anruf kommt nicht und Syndey muss ihrem Schwarm auf andere Art und Weise einen Korb erteilen. Dann wird die Situation ernst. Bei der Verabschiedung wird Kevin plötzlich aufdringlich und übergriffig. Er will mehr. Doch Sydney verteidigt sich und ein unbekannter Mann greift helfend ein und schlägt Kevin in die Flucht. Infolgedessen knistert es zwischen Sydney und dem Retter in der Not. Doch beide verabschieden sich zunächst, ohne Nummern auszutauschen. Als Sydney ihren Fehler erkennt, beschließt sie, ihn zu suchen und hofft auf ein Wiedersehen…


In einer weiteren Perspektive machen wir Bekanntschaft mit Tom, der schon seit seinem vierten Lebensjahr in Daisy verliebt ist. Er schwärmt für sie. Sein bester Freund Slug ermuntert ihn, sie anzusprechen. Und er findet tatsächlich den Mut dazu und wird für sein Engagement belohnt. Sie gehen gemeinsam von der Schule nach Hause. Beide sind einander sehr sympathisch und Tom zeigt sich von seiner besten Seite. Er verhält sich hilfsbereit und höflich. Weitere Annäherungen und Treffen werden folgen. Gleichzeitig ist man als Leser irritiert davon, was Tom so durch den Kopf geht, wenn er Daisys Hals betrachtet. Man hat sofort eine Vorahnung, dass mit Tom irgendetwas nicht stimmt. Wie wird sich die Beziehung der beiden Teenager weiter entwickeln?


Darüber hinaus lernen wir einige weitere interessante und teils skurrile Figuren kennen. Da ist z.B. Bonnie, die Freundin von Sydney, die ebenfalls Männer datet und einen Arzt an der Angel hat. Sie wird bald tot aufgefunden und Ermittlungen zu mehreren Verdächtigen folgen. Dabei tritt Jake auf den Plan. Er ist der leitende Ermittler und war früher einmal mit Sydney zusammen. Das ist geschickt arrangiert. Dadurch dass Jake und Sydney einander kennen, sind mögliche Komplikationen vorprogrammiert. Und bei der Perspektive von Tom ist es Slug, der als Figur eine wichtige Rolle spielt. Er hat eine Vorliebe für Insekten und hat beim anderen Geschlecht wenig Chancen. Eines Tages will er Entomologe werden. Und auch die Eltern von Tom sind relevant. Sein Vater hat ein Problem mit dem Alkohol und wird der Mutter gegenüber auch einmal handgreiflich. Tom hasst seinen Vater abgrundtief. Einmal hat er sogar die Polizei zur Hilfe gerufen, als die Situation zu Hause eskalierte. Doch die Mutter nimmt den Vater in Schutz und streitet ab, dass es zu häuslicher Gewalt gekommen ist. 


Der Thriller zeichnet sich dadurch aus, dass die Autorin jede Menge falsche Fährten legt und die Vermutungen der Leser stark mal in die eine oder mal in die andere Richtung lenkt. Ich hatte während der Lektüre immer mal wieder Vorahnungen im Kopf, die ich bestätigt oder widerlegt wissen wollte. Das ist schon sehr geschickt arrangiert und man liest neugierig weiter. Doch man will nicht nur seine eigenen Theorien überprüfen, auch ist man gespannt darauf, zu erfahren, wie die verschiedenen Blickwinkel zusammenhängen. Ab einem gewissen Punkt greifen die Perspektiven dann wunderbar ineinander und sind sehr gut aufeinander abgestimmt. Auch das ist lobenswert, wie ich finde. Und das Ende hat mich tatsächlich wieder überrascht. McFadden hat meine Erwartungen durchbrochen. Und das rechne ich der Autorin hoch an. Insgesamt fand ich den Fall spannend angelegt. Ich konnte gut miträtseln und habe mit Sydney mitgefiebert. Ich blieb fortlaufend „am Ball“ und habe das Ganze beteiligt und interessiert gelesen. Eine runde Sache! Der ein oder andere mag bemängeln, dass man stellenweise durch eingestreute Hinweise zu stark gelenkt wird. Aber mich hat das nicht gestört. Deshalb volle 5 Sterne! Und es ist beachtlich, dass McFadden immer wieder Thriller mit einer hohen Spannungsintensität nachlegen kann. Bei den Lesern scheint sie immer beliebter zu werden. Aktuell ist sie mit 5 Büchern in den Top 20 der Spiegel-Bestsellerliste vertreten (Stand: KW 3/2026).


Querverweise:
McFadden, Freida: Wenn Sie wüsste (Millie 1)
McFadden, Freida: Sie kann dich hören (Millie 2)
McFadden, Freida: Sie wird dich finden (Millie 3)
McFadden, Freida: Weil sie dich kennt 
McFadden, Freida: Die Kollegin
McFadden, Freida: Der Lehrer


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen