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Mittwoch, 19. August 2026

Carter, Chris - Du kriegst mich nicht




Eine neue Seite von Chris Carter




Die Protagonistin Sam ist Opfer häuslicher Gewalt geworden. Wir erleben zu Beginn des Buchs ihr Gerichtsverfahren mit, bei dem sie schildert, wie sie von ihrem Mann verprügelt und ans Waschbecken gekettet wurde. Sie erklärt dem Richter, wie sich die Partnerschaft innerhalb weniger Monate unheilvoll veränderte. Den Geschworenen wird Sams Notruf vorgespielt, um ihre leidvolle Erfahrung zu veranschaulichen. Und kurz vor dem Ende des Prozesses präsentiert die Anklage noch eine Überraschungszeugin. Die Aussage dieser Zeugin bringt die entscheidende Wende im Verfahren. Der angeklagte Ehemann, Nelson Stewart, wird für schuldig befunden und wird für mindestens zehn Jahre im Gefängnis landen. Doch als er den Gerichtssaal verlässt, schwört er seiner Frau Rache und spricht eine Drohung aus.


Nach der Verurteilung ihres Mannes plant Sam, die Scheidung einzureichen. Da ihr Mann Millionär ist, winkt ihr ein großes Vermögen. Noch dazu erwägt sie, einen Wechsel der Identität vorzunehmen, damit ihr Mann sie nach der Haftentlassung nicht finden kann. Der Staatsanwalt berät sie fachkundig in dieser Angelegenheit. Sam erhält so die Chance, alle Spuren ihres bisherigen Lebens zu verwischen. Sie kann ihren Namen ändern, den Wohnort und das Geburtsdatum. Die Wahrscheinlichkeit, ausfindig gemacht zu werden, ist sehr gering.


Wir sind dabei, wie Sam abtaucht und ein neues Leben beginnt. Doch ihr ist keine lange Ruhe vergönnt. Ein Unbekannter spürt sie auf und verfolgt sie. Sam erkennt in letzter Sekunde die Warnzeichen und ergreift die Flucht (Spannung und Tempo sind hoch!). Sie ist auf einen solchen Ernstfall gut vorbereitet und hat bereits Vorkehrungen getroffen, um schnell verschwinden zu können. Sie ist nicht auf den Kopf gefallen und verhält sich sehr geschickt. Im Anschluss fragt sie sich, welchen Fehler sie begangen hat, dass sie jemand finden konnte. Gelingt ihr die Flucht?


Doch wer jetzt denkt, dass ein furioses Katz- und Maus-Spiel beginnt, wie es auch auf dem Klappentext angedeutet wird, der irrt. Der Plot entwickelt sich lange Zeit in eine völlig andere und ruhigere Richtung. Das hat meine Erwartung doch gehörig durchbrochen. Ich rechnete damit, dass die Perspektiven zwischen Sam und dem Verfolger regelmäßig wechseln, und dass wir noch mehr über die Ehe mit Nelson erfahren. Doch dem ist nicht so. In welche Richtung es genau geht, möchte ich aber hier nicht verraten. Das mögen die Leser selbst herausfinden. Nur so viel: Es wird erst einmal ordentlich auf „die Bremse“ getreten, was das Tempo betrifft.


Und als ich schon daran zweifelte, ob es sich überhaupt noch um einen Thriller handelt, ereignet sich abermals eine Wendung, die das bisherige Geschehen wieder in einem neuen Licht erscheinen lässt. Clever! Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Spannung wieder zu und wird im letzten Drittel schier unerträglich (so ging es mir zumindest). Mit anderen Worten: Das letzte Drittel war das Spannendste, was ich in diesem Jahr gelesen habe (wirklich!). Ein starker Kontrast zum ruhigeren Mittelteil. Wie am Ende alles aufgeht und ineinandergreift, ist einfach sehr durchdacht (wenn auch vielleicht nicht ganz realistisch, aber egal, dafür war es spannend!). Noch etwas: Was mir besonders gut während der Lektüre gefiel, war der Umstand, wie das Urteil zu den Figuren gelenkt wird, indem neue Informationen preisgegeben werden. Auch das ist geschickt angelegt. Das Einzige, was ich mich gefragt habe: Sind Menschen wirklich so ausrechen- und vorhersehbar? Sind wir so manipulierbar?


Für mich zeigt Chris Carter hier eine neue Seite als Autor, die mir deutlich besser gefällt, als das, was ich bisher von ihm kenne. Ich brauche es nicht so grausam, blutrünstig und v.a. sadistisch, wie es in der Hunter- und Garcia-Reihe üblich ist. Ich wünsche mir in Zukunft mehr Stand-Alones vom Autor, die in eine ähnliche Richtung gehen.


Querverweise:

Weitere Bücher von Chris Carter: "Blutige Stufen" und "Der Totenarzt"


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