Dieses Blog durchsuchen

Freitag, 4. September 2026

Strunk, Heinz - Memories of Heidelberg

 


Essen als Ersatzbefriedigung




Isolde und Bertram sind auf dem Weg zu einem hochpreisigen Hotel in Heidelberg und beziehen dort eine gehoben ausgestattete Suite. Da sie für eine Übernachtung 500 Euro bezahlen, haben sie entsprechend hohe Erwartungen – die natürlich nur enttäuscht werden können. Beim gemeinsamen Abendessen wird deutlich, dass die Kommunikation zwischen beiden nach 17 Jahren Ehe zu wünschen übriglässt. Beide haben sich nicht viel zu sagen. Oft herrscht Schweigen. Und auch in sexueller Hinsicht läuft es zwischen beiden nicht mehr rund. Isolde sei durch damit, wie sie Bertram schon vor einiger Zeit wissen ließ. Das Highlight des Tages ist das gemeinsame Essen beim Italiener. Dort sind Isolde und Bertram auch durchaus anspruchsvoll, was die Auswahl des Essens betrifft. Sie wissen, was sie wollen. Und wenn der Service mal nicht stimmt, gerät Bertram direkt außer sich und kann kaum an sich halten. Doch Isolde hält ihn jedes Mal zurück, seine Kritik lautstark zu äußern. Und obwohl der Service beim Italiener von Besuch zu Besuch schlechter wird, kehren beide immer wieder dorthin zurück.


Das Buch ist äußerst humorvoll. Der Erzählstil ist äußerst lakonisch und trocken, was vor allem bei der Schilderung präziser Alltagsbeobachtungen deutlich wird. Der Autor streut immer wieder kuriose Vergleiche und Bilder ein, die eine amüsante Wirkung entfalten. Die Dialoge zwischen den Ehepartner sind köstlich gestaltet worden. Während Isolde sich mit ihrem Aufenthalt zufrieden zeigt, hat Bertram ständig etwas auszusetzen. Bertram wirkt oft sehr zerknirscht und er ist sehr schwer zufriedenzustellen, während Isolde einen positiveren Blick auf ihre Umgebung offenbart. Was ebenfalls für einen lustigen Effekt sorgt, ist der Umstand, dass Bertram ständig über die Stränge schlägt, was seinen Appetit angeht. Er achtet überhaupt nicht auf seine Gesundheit und verzehrt ein Übermaß an Kalorien. Isolde weist ihn jedes Mal zurecht. Essen als Ersatzbefriedigung. Bertram interessiert sich in der Heidelberger Innenstadt weniger für Sehenswürdigkeiten als für die Speisekarten von Restaurants. Auch die eingesetzten Sprachstile zeigen einen schönen Kontrast, der nicht seine Wirkung verfehlt. Derbe Umgangssprache wird kombiniert mit hochgestochener Ausdrucksweise. Darüber hinaus finden sich viele kreative Wortneuschöpfungen. Letztlich wird viel Wortwitz, Situationskomik und kreative Sprachgestaltung deutlich. Ich habe das Buch gerne gelesen, musste oft Schmunzeln und fand es sehr kurzweilig.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen