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Sonntag, 11. Oktober 2026

Poznanski, Ursula - Das Signal

 


Überwachung



Viola Decker wacht ohne Erinnerung im Krankenhaus auf. Ein Arzt teilt ihr mit, dass man einen Großteil des linken Beins amputieren musste. Sie hatte einen Unfall, bei dem ein Felsen ihr Bein zertrümmert hat. In einem baufälligen Weinkeller ihres Anwesens ist die Decke eingestürzt, als sie sich darin befand. Sie kann sich aber nicht mehr daran erinnern, was sie im Keller wollte. Diese Informationslücke wird erst viel später gefüllt.


Emotionslos und sachlich betrachtet Viola ihren Stumpf. Sie kann das Geschehen mit dem Verstand nicht begreifen. Ihr Mann Adam und ein weiterer Facharzt machen ihr aber Hoffnung, dass sie trotz der Amputation bald wieder ein eigenständiges Leben führen kann. Doch Viola macht sich nichts vor. Sie kennt ihren Mann und ist sich ziemlich sicher, dass er ihr schon bald den Laufpass geben wird.


Adam ist erfolgreich und tritt im Fernsehen auf. Er arbeitet als Meinungsforscher und führt ein Leben in der Öffentlichkeit. Seine Social-Media-Kanäle haben zahlreiche Follower. Während Viola noch im Krankenhaus ist, organisiert Adam für seine Frau eine Pflegerin: Otilia (die aus Rumänien stammt). Sie soll Viola in den ersten Monaten unterstützen.


Ohne Rücksprache mit seiner Frau zu halten, hat Adam schon einen klaren Plan vor Augen. Viola soll im Gästezimmer im Erdgeschoss schlafen, in der Nähe von Otilia, die im Arbeitszimmer unterkommen wird, während Adam weiter das Obergeschoss bewohnen wird. Die Treppe ohne Geländer will er Viola ebenso wenig zumuten wie das gemeinsame Schlafzimmer.


Als Viola aus dem Krankenhaus entlassen wird, stellt sie ernüchtert fest, dass die Chemie zwischen ihr und Otilia nicht stimmt. Sie fühlt sich in ihrer Gegenwart äußerst unwohl. Otilia verhält sich distanziert und wortkarg. Doch ohne die Unterstützung ihrer Pflegerin kann Viola ihr Leben nicht bewältigen. Sie hat noch mit Einschränkungen zu kämpfen. Doch sie unternimmt alles, um möglichst bald wieder ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.


Adam verhält sich seiner Frau gegenüber übervorsichtig. Sie traut sich selbst viel mehr zu, als er ihr zugesteht. Was steckt hinter diesem sonderbaren Verhalten? Als Leser bekommt man das Gefühl, dass Adam die Fortschritte seiner Frau ausbremsen möchte. Doch warum?


Da Viola ein ungutes Gefühl hat, was ihren Mann angeht, bestellt sie sich im Internet ein paar Mini-Tracker, von denen sie einen im Schuh von Adam verschwinden lässt. Auf diese Weise möchte sie ihn stärker überwachen. Auch Otilia stattet sie mit einem Gerät aus. Per App verfolgt sie die Wege der beiden. Sie macht sich sogar einen Spaß daraus, ihren Mann anzurufen und ihn zu fragen, was er gerade treibt. Dabei stellt sie fest, dass er nicht immer die Wahrheit sagt. Ihr Misstrauen ihm gegenüber wächst. Gleichzeitig muss sie aufpassen, dass sie sich ihren Informationsvorsprung nicht anmerken lässt und sich nicht verplappert. Viola malt sich in Bezug auf ihren Mann jede Menge Szenarien aus, die zutreffen können oder eben auch nicht. Das alles ist geschickt arrangiert. Folgende Fragen treiben die Handlung voran: Wo wird die Überwachung von ihrem Mann noch hinführen? Was wird sie über ihn herausfinden?


Das Buch beginnt wirklich spannend und lange Zeit dachte ich, dass es das beste Werk sein könnte, das ich bislang von Ursula Poznanski gelesen habe. Zwar hat das Buch zwischendurch auch immer mal wieder Längen, wo nichts Aufregendes passiert, aber darüber konnte ich hinwegsehen. Ich war wirklich neugierig, wie es weitergeht und worauf das Ganze hinausläuft. Man kann sich gut in die Lage von Viola hineinversetzen, die genau weiß, dass ihr Mann ihr gegenüber unehrlich ist. Gleichzeitig wird man als Leser dazu herausgefordert, das Vorgehen von Viola zu verurteilen. Doch leider haben die letzten 100 Seiten diesen insgesamt positiven Eindruck wieder zerstört. Ziemlich unvermittelt spielt auf einmal eine weitere Figur eine zentrale Rolle, von der man vorher nicht ein einziges Mal etwas gelesen hat. Es ereignet sich eine Wendung, die die Handlung in eine neue Richtung treibt. Das fand ich unglücklich. Weiterhin bin ich zum Ende hin über logische Ungereimtheiten gestolpert. Und noch etwas: Das Ende war mir zu kompliziert und zu chaotisch gestaltet, nicht leichtfüßig genug. Ich bin eine gewisse Zeit gar nicht mehr mitgekommen, welchen Plan Viola eigentlich verfolgt. Vorsicht Spoiler: Auch dass Viola ungeschoren davonkommt, war für mich nicht schlüssig. Kurzum: Das Ende des Buchs war eine Katastrophe! Sehr, sehr schade…


Querverweise:

Weitere Thriller mit einem ähnlichen Setting:

- Freida McFadden: Die Ehefrau
- Riley Sager: Hope's End
- Sophie Stava: Eine falsche Lüge

Weitere Thriller von Ursula Poznanski, die ich rezensiert habe:

- Aquila (2017)
- Stille blutet (2022)
- Die Burg (2024)
- Scandor (2024)


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