Technologie als Wunderlösung
Ein alternder, reicher Ich-Erzähler blickt in dieser Kurzgeschichte auf sein Leben zurück. Er hat Physik studiert und in diesem Fach promoviert. Anschließend arbeitete er als Wartungstechniker in einem Teilchenbeschleuniger – eine Tätigkeit, bei der er sich überqualifiziert und unterfordert fühlte. Eines Tages sollte er mit einem Kollegen eine Fehlermeldung überprüfen. Dabei stießen sie auf eine fehlerhafte Spule und entdeckten eine Anomalie: Ein Kraftfeld, in dem Gegenstände verschwanden. Die beiden Techniker probierten verschiedene Dinge aus. Alle wurden auf mysteriöse Weise von dem Kraftfeld „verschluckt“. Der Ich-Erzähler vermutete, dass es sich bei dem Feld um einen Quanteneffekt in mikroskopischer Größenordnung handelte. Unklar blieb jedoch, was mit den verschwundenen Gegenständen passierte. Wie das Feld funktionierte und wie es entstanden ist, konnten sich die beiden nicht erklären. Der Ich-Erzähler hatte die Idee, das Feld geschäftlich zu nutzen, und kam auf diese Weise zu ungeheurem Reichtum. Er fand heraus, wie man das Feld vervielfältigen konnte, und nutzte es schließlich dazu, im großen Stil Müll zu entsorgen. 30 Jahre lang ging alles gut, auch wenn die Forschung zum Feld keine neuen Erkenntnisse hervorbrachte. Doch irgendwann gaben die Felder nach und nach ihren Geist auf und man fand heraus, dass alles, was man in der Anomalie entsorgte, in der Zeit verschwand. Und der Tag, an dem der Müll auf die Erde zurückkehrt, rückt schon bald näher…
Die Kurzgeschichte vermittelt eine kritische Botschaft: Sollte man von einer Technologie Gebrauch machen, die man nicht versteht, auch wenn sie wie die perfekte Lösung für eines der größten Probleme der Menschheit erscheint? Man könnte den Inhalt in meinen Augen wunderbar auf die aktuelle KI-Forschung übertragen (vgl. dazu die Rezension zu Olsberg: „Kontrollillusion“). Die Folgen, die die KI-Forschung hat, sind unabsehbar und könnte einen „Preis“ haben, den wir heute noch gar nicht absehen können. Hier stellt sich die Frage nach der Verantwortung von Wissenschaft. Und allgemeiner formuliert: Neue Erfindungen können Probleme verursachen, die im ersten Moment niemand bedacht hat. Und auch der Umweltschutz-Gedanken spielt eine Rolle: So wird in der Geschichte auch gut deutlich, dass die Menschen sich lieber auf die neue Technologie verlassen, statt weniger Müll zu produzieren. Diese Fehlentscheidung holt sie später wieder ein. Am Beispiel des Ich-Erzählers zeigt sich darüber hinaus, wie dessen Gier ihn zunehmend skrupellos werden lässt. Am Ende interessiert ihn die wissenschaftliche Seite hinter der Entdeckung gar nicht mehr. Er ist zu bequem geworden…
Querverweise:
Weitere Bücher von Andreas Eschbach, die ich rezensiert habe:
- Solarstation (1996)
- Perfect Copy. Die zweite Schöpfung (2002)
- Der Letzte seiner Art (2003)
- Die seltene Gabe (2004)
- Ausgebrannt (2007)
- Das Marsprojekt Bd. 3, Bd. 4 und Bd. 5 (2006-2008)
- Freiheitsgeld (2022)
- Der schlauste Mann der Welt (2023)
- Die Abschaffung des Todes (2024)
- Perfect Copy. Die zweite Schöpfung (2002)
- Der Letzte seiner Art (2003)
- Die seltene Gabe (2004)
- Ausgebrannt (2007)
- Das Marsprojekt Bd. 3, Bd. 4 und Bd. 5 (2006-2008)
- Freiheitsgeld (2022)
- Der schlauste Mann der Welt (2023)
- Die Abschaffung des Todes (2024)
- Ins fahle Herz des Sommers (2026)

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