Die vergessene Tasche
Frankie ist seit kurzem in Westberlin und will seinen Bruder Freddie, der an einer Medikamentenstudie für Psychopharmaka teilnimmt, mit dem Auto abholen. Doch sein Opel Kadett springt nicht an, die Batterie ist leer. Er bittet seinen Mitbewohner und Freund Karl Schmidt um Hilfe. Dieser bringt Frankie mit einer Kastenente, die ihm bei seinem neuen Job als Dienstfahrzeug zum Schneeräumen dient, zum vereinbarten Treffpunkt (ein Hotel am Ku‘damm). Als Frankie seinen Bruder in Empfang nehmen will, muss er zunächst noch ein Gespräch mit einem Arzt führen. Dieser würde Freddie gern noch länger in der Studie behalten, aber beide Brüder lehnen das Angebot rigoros ab. Denn Freddie plant, schon bald nach New York zu ziehen. Daraufhin erhalten sie vom Arzt eine Telefonnummer für Notfälle. Zeitlich ist die Handlung einen Tag vor Heiligabend angesiedelt.
Als die Brüder zurück in ihrer WG sind, geht es drunter und drüber. Die Gedankenführung der Gespräche ist sprunghaft. Die Themenwahl ist skurril. Nebensächlichkeiten werden oft spontan in den Mittelpunkt gerückt und ausführlich sowie tiefsinnig diskutiert, bevor man zum eigentlichen Kern des Gesprächs zurückkehrt. Absurde Dinge werden mit einer großen Ernsthaftigkeit besprochen. Kurzum: Die Dialoge sind amüsant gestaltet worden und sehr nah an der Alltagssprache. Es entsteht hin und wieder Situationskomik (u.a. gibt es ein witziges Verkaufsgespräch mit antikapitalistischen Weltanschauungen in einer Apotheke oder die Schilderung einer grotesken Tankstellensituation). Hinzu kommen eine besondere Berliner Milieu-Atmosphäre und der typische, schnodderige Berliner-Charme. Die Figuren agieren herrlich „verpeilt“ und haben alle ihre eigenen kleinen Probleme zu lösen. Auch Franks Schlagfertigkeit wird wieder deutlich. Und Freddie hat noch mit Nachwirkungen der Studie zu kämpfen. Er erlebt Gefühlsausbrüche und hat Angst vor Zusammenkünften mit vielen Menschen. Fahrten mit der U-Bahn sind ihm ein Graus…
Irgendwann fällt Freddie auf, dass er eine Tasche mit wichtigen Reiseunterlagen im Hotel vergessen hat. Die Freunde müssen mitten im Schneetreiben noch einmal aufbrechen, um sie zu holen. Da Karl Schmidts Einsatz beim Schneeräumen gefragt ist, müssen die WG-Bewohner zusehen, wie sie ohne die Kastenente nochmal zum Ku’damm kommen. Eine schräge Tour durch Berlin nimmt ihren Lauf. Dabei ist es immer wieder lustig zu lesen, wie Freddie und Frankie miteinander umgehen. Die Brüder geigen sich auch mal die Meinung, weisen sich gegenseitig zurecht und liefern sich verbale Schlagabtausche. Ich musste oft Schmunzeln. Insgesamt lebt der Roman von seinen Konversationen. Diese suchen ihresgleichen. Fazit: Ein spaßiger Trip durch Berlin, den ich gern verfolgt habe.

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