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Mittwoch, 23. September 2026

Lapena, Shari - The couple next door

 


Unglaublich clever konstruierter Krimi




Marco und Anne sind bei ihren kinderlosen Nachbarn zu einer Dinner-Party eingeladen. Ihre kleine Tochter Cora haben sie mit Babyphon zu Hause gelassen. Sie ist erst vor sechs Monaten auf die Welt gekommen und Anne hat noch immer mit den Symptomen einer postnatalen Depression zu kämpfen. Sie fühlt sich in ihrer Haut unwohl. Das Abendessen bei den Nachbarn kann sie nicht genießen. Sie ist unentspannt und wäre viel lieber in der Nähe ihrer Tochter. Doch Marco scheint das wenig zu stören. Er flirtet ungeniert mit seiner attraktiven Nachbarin. Und erst als Anne heftig insistiert, um 1 Uhr nachts endlich nach Hause zu gehen, gibt Marco nach.


Als die beiden nach Hause kommen, bemerkt Anne sofort, dass die Tür zum Haus einen Spalt offensteht. Sofort rennt sie zum Kinderzimmer und muss feststellen, dass von ihrer Tochter jede Spur fehlt. Ein Schockmoment für Anne und Marco! Sie wählen den Notruf. Detective Rasbach, ein sachlicher, intelligenter und analytischer Typ, nimmt daraufhin die Ermittlungen auf. Er verspricht den Eltern, ihre Tochter ausfindig zu machen. Mit präzisen Nachfragen versucht er einen möglichen Tatablauf zu rekonstruieren. Seiner äußerst aufmerksamen Beobachtungsgabe entgeht dabei nichts. Rasbach zieht alles in Betracht und ist versessen darauf, die Wahrheit ans Tageslicht zu zerren. Sogar die Eltern werden von ihm genauer unter die Lupe genommen. Die Umgebung wird abgesucht, Nachbarn und mögliche Zeugen werden befragt, das Haus wird von Kriminaltechnikern untersucht. Auch die Medien werden eingeschaltet. Kurzum: Nichts wird unversucht gelassen.


Anne macht sich selbst und ihrem Mann große Vorwürfe. Wie konnten sie Cora nur allein zu Hause lassen? Als die Medien ins Spiel kommen, werden sie von einer Welle an Anteilnahme, aber auch an Vorwürfen konfrontiert. Im weiteren Handlungsverlauf zeigt sich, dass der Schwerpunkt v.a. auf den Befragungen liegt. Auf diese Weise kann man sich als Leser zu verschiedenen Figuren ein Urteil erlauben und gut miträtseln. Die Darstellung der Innenwelten der Figuren ist gut gelungen (das ist mir schon bei dem Thriller „Was sie nicht weiß“ aufgefallen). Was ich an diesem Werk besonders toll fand, war der Umstand, dass sich der Krimi von einem „whodunit-“ zu einem „howcatchem-Krimi“ entwickelt hat und eine überraschende Wendung bereithält. Irgendwann weiß man als Leser mehr als die Figuren. Das ist geschickt arrangiert.


Insgesamt war dieses Buch wirklich ein Kracher, der unglaublich clever konstruiert ist. So wie dieses Buch muss meiner Ansicht nach ein herausragender Krimi sein. Je weiter man liest, desto vertrackter wird der Fall. Die Innenperspektiven sind klasse aufeinander abgestimmt. So erfährt man beispielsweise auch, was die Figuren jeweils übereinander denken, welche Schlüsse sie ziehen und wie sie sich teils auch irren. Der Verdacht zu den Figuren wird immer wieder in verschiedene Richtungen gelenkt. Man wird als Leser immer wieder in die Irre geführt und verunsichert, und das gleich mehrmals (vor allem am Ende). Irgendwann weiß man gar nicht mehr, was stimmt und was nicht. Nach diesem Buch hätte es mich eigentlich nicht gewundert, wenn die Autorin ähnlich einschlägt wie eine Freida McFadden. Ich muss unbedingt noch mehr von Lapena lesen.


Querverweise:

Ein weiteres Buch von Lapena, das ich rezensiert habe: "Was sie nicht weiß"

Weitere Thriller, in denen ein verschwundenes Kind eine Rolle spielt:

- Bestgen, Sarah: Happy End
- Faber, Heni: Kaltherz
- Getz, Kristine: Poppy 
- Logan, T. M.: The Parents


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