Ruby - ein besonderes Kind
Nathalie bringt ihre Tochter Ruby wie jeden Tag in den Kindergarten und muss darauf achten, pünktlich zu sein. Sie hat einen Gesprächstermin mit der Leiterin, um über das Verhalten ihrer Tochter zu sprechen. Ruby zeigt Verhaltensauffälligkeiten, ist wenig am Kontakt mit anderen Kindern interessiert und bleibt für sich. Am Morgenkreis nimmt sie nicht aktiv teil, Rollenspiele machen ihr keinen Spaß. Ruby hat ihren eigenen Kopf und ihr eigenes Tempo. V.a. was das Malen angeht, zeigt sie Entwicklungsverzögerungen. Die Leiterin bezeichnet sie als ein besonderes Kind, das Förderbedarf hat. Sie empfiehlt Nathalie Ergo- und Kunsttherapie für Ruby.
Die Situation erzeugt auf Nathalie gehörig Druck. Sie ist ratlos, was sie tun soll. Dass ihr Kind nicht altersgemäß entwickelt ist, bereitet ihr große Sorge. Ihrem Mann Gabriel wäre es am liebsten, wenn niemand an Ruby „herumzerrt“. Sie soll sich nicht anders als andere Kinder fühlen und nicht das Gefühl bekommen, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Er betreibt Realitätsverweigerung. Er will nicht wahrhaben, dass Ruby Unterstützung braucht und er versucht seine Frau zu beruhigen, dass mit Ruby alles normal ist. Er ist der Überzeugung, dass sich niemand in ihr Familienleben einmischen soll. Und auch Nathalie würde dem „Optimierungswahn“ am liebsten entkommen. Doch wie soll das funktionieren?
Eines Morgens erreicht Nathalie ein Anruf aus dem Kindergarten. Ruby verhalte sich komisch und habe eine Art hysterischen Anfall. Jemand von den anderen Kindern hat auf ihr Bild gemalt. Daraufhin ist Ruby außer sich. Der Verdacht einer Autismus-Spektrums-Störung oder ADHS steht im Raum. Der Kindergarten will den Eltern einen Kontakt zu einem Kinder- und Jugendpsychiater vermitteln. Nathalie spielt mit dem Gedanken, mit Ruby zum Facharzt zu gehen, ohne Gabriel zu informieren. Sie weiß, dass er dagegen ist. Dabei hat sie jedoch das Gefühl, ihre eigene Tochter zu verraten. Der Gewissenskonflikt, in dem sie sich befindet, kommt gut zum Ausdruck. Nathalie will auf ihr Kind keinen Druck ausüben, tut es dann aber doch.
Um den Kindergarten davon zu überzeugen, dass mit Ruby alles in Ordnung ist, fordert Nathalie ihre Tochter auf, ein schönes Bild zu malen. Doch als sie zu Hause sieht, was Ruby gemalt hat, ist sie geschockt und irritiert. Es macht den Eindruck, als hätte Ruby Gewaltphantasien. Doch was steckt dahinter? Warum hat Ruby dieses Bild gemalt? Und warum hat sie ihr Talent fürs Malen bislang vor allen verborgen? Gabriel erkennt in der Zeichnung nichts Dramatisches und will sie nicht überinterpretieren. Doch Nathalie will hinter das Geheimnis der Zeichnung kommen und sucht Hilfe. Nach und nach erfahren wir als Leser mehr über die Vorgeschichte zu Gabriels und Nathalies Ehe. Und durch diese Informationen, die offenbart werden, erscheint die Lage irgendwann in einem gänzlich anderen Licht. Die Familiensituation ist viel komplexer als man es anfangs vermuten konnte. Und der Eindruck, den man von der Beziehung zwischen Gabriel und Nathalie hat, verändert sich im weiteren Handlungsverlauf.
Von Judith Merchant habe ich bereits einige Bücher gelesen. Ich mag ihren Schreibstil sehr. Und auch der aktuelle Thriller konnte mich überzeugen. Der Plot ist durchdacht konstruiert und wendungsreich konzipiert. Ich habe das Werk von Anfang bis Ende mit großem Interesse gelesen und fand den Inhalt spannend aufbereitet. Die Auflösung ist in sich schlüssig und das Buch endet zwar unspektakulär, aber plausibel.
Querverweise:
Weitere Bücher von Judith Merchant, die ich rezensiert habe:
- Nibelungenmord (2011)
- Die Lügen jener Nacht (2014)
- Atme! (2019)
- Schweig! (2021)
- Die Lügen jener Nacht (2014)
- Atme! (2019)
- Schweig! (2021)

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