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Mittwoch, 17. Juni 2026

Kupke, Lena - Pause



Eine Geschichte, die das Leben schreibt




Hanna wird nach einem Zusammenbruch in ein Krankenhaus eingeliefert. Sie weiß nicht, was mit ihr los ist und was um sie herum passiert. Ihr werden Beruhigungs- und Narkosemittel verabreicht. Sie fühlt sich dem Personal im Krankenhaus ausgeliefert und hat partout keine Lust noch eine Nacht dort zu verbringen, um sich durchchecken zu lassen. Am liebsten würde sie direkt wieder verschwinden, doch das Personal will sie nicht ohne Begleitung gehen lassen und ihr Freund hat keine Zeit, um sie abzuholen. Sie ist nicht gern auf Hilfe angewiesen. Den Ernst ihrer Lage scheint sie nicht zu verstehen. Nur ihre Eltern finden schließlich Zeit, um sie in Berlin aufzusuchen und dann nach Lüneburg mitzunehmen. Dort angekommen, denkt sie voller Nostalgie an ihre glückliche Kindheit zurück. Die gewohnten Abläufe ihrer Eltern bringt sie mit ihrer Anwesenheit aber erstmal durcheinander.


Im weiteren Handlungsverlauf erfahren wir, dass die Protagonistin schon im Vorfeld ihres Zusammenbruchs unter Schlafproblemen litt und einen schweren Schicksalsschlag verkraften musste (der lange Zeit unausgesprochen in der Luft hängt). Die ersten Tage bei den Eltern verlaufen noch harmonisch. Die Beziehung zu ihren Eltern wirkt liebevoll und intakt. Doch je länger Hanna bei ihren Eltern bleibt, desto schwieriger wird es für sie, sich anzupassen und die Eigenheiten ihrer Eltern zu akzeptieren. Sie kommt nicht wirklich zur Ruhe, auch weil sie sich über ihren Freund Paul ärgern muss, der sie lieber bei ihren Eltern lässt, statt sie zurück nach Berlin zu holen. Er wirkt nicht sehr fürsorglich und hält sie auf Abstand. Was steckt dahinter? Parallel muss Hanna verarbeiten, dass ihr das Berufliche entgleitet. Kurzum: Sie erlebt eine ziemliche Gefühlsachterbahn…


Außer den Eltern und Paul spielt mit der Schwester von Hanna noch eine weitere Figur im Roman eine Rolle. Das Verhältnis zu ihr ist zeitweise angespannt. Beide haben sich nicht viel zu sagen und leben unterschiedliche Leben. Die Schwester ist in Lüneburg geblieben und führt in den Augen von Hanna ein spießbürgerliches Dasein in der Provinz. Sie selbst hingegen hat es in die weite Welt (nach Berlin) gezogen. Grundsätzlich wird deutlich, dass die Kommunikation innerhalb der Familie zu wünschen übriglässt. Man redet nicht viel und man redet auch nicht offen miteinander (schon gar nicht über Probleme). Vieles bleibt unausgesprochen. Emotional belastende Themen werden unbeholfen totgeschwiegen.


Während der Lektüre stellte ich mir vor allem die Frage, ob Hanna wieder auf die Beine kommt. Ich habe ihr Schicksal mit Neugier verfolgt. Das Einzige, was mich beim Lesen gestört hat, war der Umstand, dass ich nicht viel mit der Protagonistin anfangen konnte. Sie wirkt auf mich oft zu unbedarft und auch zu infantil. Sie ist wenig selbstreflektiert und zeigt sich auch wenig kämpferisch. Sie bleibt mir zu sehr in der Rolle der Hilflosen. Damit konnte ich mich nicht identifizieren. Ich habe mich zwischenzeitlich auch gefragt, ob Hanna eine depressive Phase durchlebt, aber falls ja, kommen mir die Symptome nicht deutlich genug zum Ausdruck. Einige von Hannas Verhaltensweisen passen in meinen Augen auch nicht zu einer solchen Diagnose...


Querverweise:
Weitere "Genesungsromane", die eine teils hohe inhaltliche Ähnlichkeit aufweisen (v.a. der Roman von Caroline Wahl), sind ...
- "Windstärke 17" von C. Wahl (Lebenskrise), 
- "Ende in Sicht" von R. von Rönne (Depression), 
- "Ich bin nicht da" von L. Spit (Psychose), 
- "Haus zur Sonne" von T. Melle (bipolare Störung), 
- "Salto" von K. Prödel (Diabetes Typ 1) oder 
- "Achtzehnter Stock" von S. Gmuer (Gehirnhautentzündung)
- "Panikherz" von B. Stuckrad-Barre (Essstörung und Drogensucht, autobiographisch) 


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