Vom Rentner zum Elitesoldaten
Im Alter von 75 Jahren sucht John Perry das Grab seiner Frau auf, mit der er 42 Jahre verheiratet war, und geht anschließend zur Armee. Er will Mitglied der sogenannten KVA (= Koloniale Verteidigungsarmee) werden und erhofft sich eine Lebensverlängerung von mindestens 10 Jahren und will so noch ein sinnvolles Lebensende verbringen.
Die Armee ist in der Lage, den Alterungsprozess aufzuhalten. Wie genau sie das anstellt, weiß zu diesem Zeitpunkt niemand. Die Armee agiert weitestgehend im Verborgenen und lässt die Menschen auf der Erde im Unklaren über das, was sie treibt. Mit der Unterschrift unter den Rekrutierungsvertrag gibt John viele persönliche Rechte auf. Von seinem bisherigen Leben muss er sich völlig verabschieden.
Perry begegnet den Rekrutierungsprozess ziemlich gleichgültig. Ihm ist egal, was aus ihm wird. Er hat im Leben keine großen Ziele mehr. Mit weiteren Mitstreiter:innen verlässt er schließlich die Erde und macht sich auf den Weg zu einem neuen Einsatzort. Und an Bord des Raumschiffs lernen sich die hochbetagten Rekruten besser kennen. Sie durchlaufen jede Menge medizinische Checks und psychologische Tests. Unterwegs zerbrechen sich die zukünftigen Soldaten den Kopf darüber, was sie wohl erwartet und auf welche Weise sie verjüngt werden.
Irgendwann wird klar, was mit John Perry und den anderen passieren soll. Ihr Bewusstsein soll in einen jüngeren, genetisch optimierten Klonkörper transferiert werden. Blut, Augen und andere Sinnesorgane, Muskelkraft und Reaktionszeit, das alles wurde verbessert. Regelmäßige „Wartungen“ des Klonkörpers sorgen dafür, dass er in Topform bleibt. Der alte und nutzlos gewordene Körper hingegen wird entsorgt.
Nachdem der Transfer abgeschlossen ist, wird John mit Hilfe einer Broschüre :-) auf das Leben in seinem neuen Körper eingestimmt. John gewöhnt sich schnell an die neuen Vorzüge und sieht v.a. die Vorteile, die der neue Klonkörper mit sich bringt. Und die Armee gewährt den Rekruten anfangs gewisse Freiheiten. Doch schon bald wird es ernst und den neuen Soldaten werden ihre zukünftigen Aufgaben vorgestellt. Sie sollen existierende menschliche Kolonien schützen, sie sollen nach neuen Planeten suchen, die sich für eine Kolonisation eignen, und sie sollen Planeten, die von fremden Aliens bereits bevölkert sind, für eine menschliche Kolonisierung vorbereiten.
Die zukünftigen Soldaten durchlaufen eine harte Ausbildung. Sie werden gnadenlos gedrillt, lernen dabei ihre Waffen sowie ihre neuen Fähigkeiten und ihre außerirdischen Gegner kennen (Assoziationen zu Full Metal Jacket und Starship Troopers stellen sich ein). Zwei Jahre müssen sie als Infanteristen stumpf Befehle befolgen und irgendwie hoffen am Leben zu bleiben (so lange haben sie sich verpflichtet). Und der Ausbilder beschönigt nichts. Er macht den neuen Soldaten klar, dass die Überlebensquote bei den Einsätzen gering ist. Drei Viertel der Rekruten würden im Einsatz voraussichtlich sterben. Doch Perry entpuppt sich als raffinierter Soldat und macht schnell durch besondere Leistungen auf sich aufmerksam. In brenzligen Situationen bewahrt er einen kühlen Kopf und ergreift auch einmal Eigeninitiative, um Situationen zu lösen. Auch ist er in der Lage, zu improvisieren. Was wird aus ihm?
Auffällig sind die lebhaften, teils witzigen Dialoge, die mich sofort für sich eingenommen haben. Viel Ironie und Sarkasmus wird deutlich (und das auf trockene Art und Weise). Das Buch ist dem „Military-Science-Fiction“ zuzuordnen. Die Schrecken des interstellaren Krieges werden gut deutlich. Diplomatie ist für die Armee ein Fremdwort. Sie kennt mit ihren Gegnern keine Gnade und agiert aggressiv-imperial. Und mit der Zeit findet John einiges heraus, was ethisch bedenklich ist. So wird z.B. massenweise Genozid verübt. Eine klare Kritik an Militarismus, Propaganda und der Austauschbarkeit von Menschen in Kampfeinsätzen. Der Krieg wird als etwas Entmenschlichendes dargestellt. Es wird nichts glorifiziert. Letztlich nimmt man an dem Schicksal von John Anteil und verfolgt interessiert, welche Entwicklung er nimmt. Man hofft, dass er überlebt. Als Protagonist hat er Zugkraft. Die Handlung wird ereignisreich vorangetrieben. Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen und fand es stark.
Querverweise:
Weitere "Military-Science-Fiction", die ich rezensiert habe:
Peterson, Phillip P.: Das schwarze Schiff
Dittert, Christoph: Fallender Stern
Brandhorst, Andreas: Splitter der Zeit

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