Über totalitäre Kontrolle und Freiheitsdrang
Mera muss zusammen mit 200 weiteren Kindern einen Ritus vollziehen. Ausgestattet mit einem Schutzanzug sollen sie die schützende Kuppel von Eden verlassen und eine Pilgerstätte in der Außenwelt aufsuchen. So soll der eigene Glaube gestärkt werden. Wenn die Prüflinge diese Reifeprüfung bestanden haben, werden sie als vollwertige Mitglieder in die Gemeinschaft der Kuppel aufgenommen. Das Vertrauen in den sog. Administrator soll ihnen auf ihrer Mission Kraft verleihen. Hüten müssen sie sich vor so genannten Kriechern – das sind außerirdische Lebensformen, die den Menschen gefährlich werden können. Schnell wird deutlich, was für Glaubenssätze Mera vertritt. Sie ist sehr fromm und stellt zu Beginn wenig in Frage.
Nach ihrer bestandenen Reifeprüfung entschließt sich Mera dazu, Priesterin zu werden. Auf diese Weise hofft sie, verborgenes Wissen zu erlangen. Sie möchte mehr über die Kuppel und das Leben darin erfahren und die Vergangenheit der Kolonie verstehen. Die Regeln des Kollektivs hinterfragt sie nicht. Sie will innerhalb des herrschenden Systems ihren Platz finden. Sie durchläuft eine Ausbildung zur Priesterin und als Leser erleben wir mit, welche Inhalte sie erlernt. U.a. muss sich Mera als Tugendwächterin betätigen, was die strengen Regelungen des Zusammenlebens gut verdeutlicht.
Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung wird Mera vom Administrator höchstpersönlich für den inneren Kreis ausgewählt. Sie erhält einen neuen Namen und gehört fortan zu einer elitären Gesellschaftsschicht, die nur den wenigsten vorbehalten ist. Ihr Traum wird wahr. Sie erlangt Wissen, das nur den Mitgliedern des inneren Zirkels vorbehalten ist. Sie genießt Privilegien, von denen andere Bewohner nur träumen können. Und mit der Zeit wird sie immer neugieriger. Ihr Wissensdurst ist immens. Sie studiert zahlreiche Bücher. Bald schon findet sie einen Vertrauten, der ihr bisheriges Weltbild ins Wanken bringt. Ihr Blick auf Eden verändert sich. Mehr und mehr durchschaut sie, was in der Kuppel vor sich geht. Sie beschließt etwas zu unternehmen, um eine Veränderung des Systems herbeizuführen. Wird das gelingen?
Während der Lektüre erfahren wir als Leser nach und nach mehr Hintergründe über Eden. Die Gemeinschaft befindet sich auf einem fremden Planeten. Man hat die Erde einst mit Sternenschiffen verlassen und lebt seit mehreren Generationen innerhalb der Kuppel. Die Kolonisten fanden keinen fruchtbaren Planeten vor, sondern eine karge, lebensfeindliche Welt, in der nichts gedieh. Von den Opfern, die vorangegangene Generationen erbracht haben, kursieren mündlich tradierte Legenden. Die Strukturen des Zusammenlebens machen einen totalitären Eindruck. Menschen, die vom Glauben abweichen, werden bestraft, indem sie aus der Kuppel verbannt werden (ein sicheres Todesurteil). Abweichendes Verhalten soll von den Einwohnern der Kuppel gemeldet werden und wird sanktioniert. Dem Administrator gegenüber verhalten sich die Menschen ehrfürchtig. Er ist das unangefochtene Oberhaupt. Um ihn wird ein regelrechter Personenkult betrieben. Überall hängen Bildnisse von ihm. Insgesamt ist das Buch gut, flüssig und spannend geschrieben. Die Neugier wird beim Lesen permanent befeuert. Ich war gespannt auf die Auflösung und wurde nicht enttäuscht. Aber an „Omniworld“ reicht das Buch nicht heran.
Querverweise:
Taler, Mark - Omniworld

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen