Verfolgung und Geheimnisse
Die Ich-Erzählerin Brooke Goodwin hofft darauf, in Yale angenommen zu werden. Sie ist eine hervorragende Schülerin und es ist Familientradition, dort zu studieren. Der Druck, der auf ihr lastet, ist hoch. V.a. die Anerkennung ihres ehrgeizigen Vaters ist ihr wichtig. Er ist Jurist und soll schon bald zum Richter ernannt werden. Der Ruf seiner Familie geht ihm über alles. Als Brooke dann tatsächlich angenommen wird, ist die Freude riesig. Um den Erfolg zu feiern, fährt sie mit einer Freundin zu einer Party. Dort macht sie sich an ihren Schwarm Dylan heran. Als sich Brooke mit einer Freundin Jenna auf den Rückweg von der Party macht, wird ein sehr guter spannungserregender Impuls gesetzt, der sich ereignisreich entwickelt. Beide werden bedroht und von einem unbekannten Auto verfolgt, das sie bedrängt. Wer steckt dahinter? Und werden sie sich aus der gefährlichen Situation befreien können?
Wir erfahren auch, dass Brooke in letzter Zeit einige Anfeindungen über sich ergehen lassen musste, die sie aber für sich behält. So wurden z.B. die Reifen ihres Autos aufgeschlitzt, Getränke wurden in ihren Spind gekippt, sie erhält anonyme Anrufe etc. Trotz der Vorkommnisse sucht sie keine Hilfe. Grund für die Attacken ist, dass ihr die Schuld an einem Unfall einer ehemaligen Mitschülerin gegeben wird, von dem man zu Beginn des Thrillers nur wenig erfährt. Der Sachverhalt wird bewusst im Dunkeln gelassen und muss von den Lesern nach und nach erschlossen werden. Rückblickskapitel sorgen dafür, dass die vergangenen Geschehnisse Schritt für Schritt ans Licht kommen. Erst am Ende des Buchs hat man einen Gesamtüberblick über die Situation.
Der Thriller wird auf zwei Zeitebenen präsentiert. Auf der Gegenwartsebene wird die Party geschildert, die die Ich-Erzählerin besucht, und es wird beschrieben, wie sie auf dem Weg nach Hause von jemand Unbekanntem verfolgt und bedroht wird. Es entspinnt sich eine wilde und durchaus spannend erzählte Verfolgungsjagd, die mich packen konnte. Auf der Vergangenheitsebene geht es ebenfalls um die Ereignisse auf einer Party, bei der sich ein Unfall mit Todesfolge ereignet hat. Hier wird die Spannung v.a. dadurch erzeugt, dass dem Leser wichtige Informationen (s.o.) vorenthalten werden. Man liest v.a. mit großer Neugier weiter, um zu erfahren, was in der Vergangenheit genau passiert ist.
Die beiden weiblichen Figuren, die in diesem Thriller im Zentrum stehen, haben bei mir keine Sympathiepunkte gewonnen. Da ist einerseits die verunglückte Mitschülerin Claire, die gern im Mittelpunkt steht und stets für Ärger sowie schlechte Stimmung sorgt. Und auf der anderen Seite haben wir die ehrgeizige Musterschülerin Brooke, die sich nach außen immer freundlich zeigt, aber gleichzeitig auch verwöhnt, berechnend und oberflächlich wirkt. Ist ihre Freundlichkeit vielleicht doch nur aufgesetzt? Beide konkurrieren um Dylan und dessen Zuneigung. Eine explosive Ausgangslage…
Was die Spannung betrifft, so haben mich vor allem die Gegenwartskapitel überzeugt. In diesen entsteht im weiteren Handlungsverlauf eine Sogwirkung. Die Kapitel, die sich mit der Vergangenheit befassen, haben mich nicht ganz so mitgerissen, waren aber nach meinem Empfinden ebenfalls interessant, weil man natürlich an der Auflösung interessiert ist (die auch gelungen und schlüssig ist). Der Einstieg ins Buch fiel mir aber zunächst schwer. Am Anfang gibt es jede Menge Beziehungsdrama und „Zickereien“. Das war nicht so mein Ding. Aber mit dem Einsetzen der akuten Bedrohung für Brooke wurde es deutlich besser. Die Spannung zog spürbar an. Und im weiteren Handlungsverlauf nimmt die Intensität an Spannung immer weiter zu (was auch an den kürzer werdenden Kapiteln und den sich zuspitzenden Ereignissen liegt). Der erste Thriller der Autorin hat mir zwar noch ein Stück besser gefallen, aber auch ihr zweites Buch weiß zu überzeugen. Ich werde die Autorin definitiv weiter im Auge behalten…
Querverweise:
Ein weiteres Buch von Megan Lally: That's not my name

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