Kein Vergleich zu Band 1
Bei der Erstürmung eines außerirdischen Außenpostens durch Angehörige der menschlichen Spezialeinheit wird ein Wissenschaftler festgenommen und verhört. Von ihm erfahren die Soldaten, dass sich drei Spezies verbündet haben, um einen Krieg gegen die Menschheit vorzubereiten. Unterstützt werden sie dabei von einem Überläufer namens Charles Boutin, der über eine große Menge an Geheiminformationen verfügt, die der Menschheit gefährlich werden können. So beschäftigte er sich mit der künstlichen Herstellung von Körpern und den Bewusstseinstransfers, von denen die menschlichen Streitkräfte rege Gebrauch machen, um Soldaten heranzuzüchten. Sollte dieses Wissen den Feinden der Menschheit in die Hände fallen, finden sie vielleicht Schwachstellen, die sie für sich ausnutzen können.
Boutin hat seinen eigenen Tod mit Hilfe eines Klonkörpers vorgetäuscht und dabei Spuren hinterlassen. Aus dem zurückgelassenen Genmaterial des Wissenschaftlers will man einen neuen Klon erschaffen, in den man Boutins Bewusstsein transferiert. So möchte man herausfinden, was Boutin vorhat. Doch der Versuch schlägt fehl und man macht den herangezüchteten Klon zu einem Soldaten der Spezialeinheit. Er erhält den Namen Jared Dirac. Und als Leser verfolgen wir dessen Bewusstseinsentwicklung und Ausbildung zum Elitesoldaten mit. Besonders problematisch: Jared weiß nichts von seiner Vorgeschichte. Doch bleibt das so?
Jared lernt in ziemlich kurzer Zeit viel Neues. Schnell wird ihm klar, dass er nur zu einem Zweck geschaffen wurde: zu kämpfen und so das Überleben der Menschheit zu sichern. Interessant ist, wie die Soldaten der Spezialeinheit miteinander kommunizieren. Sie verfügen über ein kollektives Bewusstsein. Mit Hilfe einer Computerschnittstelle im Gehirn sind sie in der Lage, viele Informationen miteinander zeitgleich zu teilen und mental zu verarbeiten. Eine interessante Idee!
Anders als in Band 1 geht der Autor dieses Mal viel mehr in die Tiefe, wenn es darum geht, die genetische Umprogrammierung, die an Klonkörpern vorgenommen wird, sowie den Ablauf des Bewusstseinstransfers zu schildern. Auch lernen wir mehr Hintergründe zur Spezialeinheit kennen, die ja im ersten Teil nur knapp vorgestellt wurde. Durch ihre spezielle genetische Modifikation unterscheiden sich die Mitglieder der Spezialeinheit von den gewöhnlichen Soldaten der menschlichen Verteidigungsarmee. Sie verfügen über spezielle Fähigkeiten. Kurzum: Mit diesem Buch gewinnt das Worldbuilding klar an Detailreichtum.
Allerdings kommt Teil 2 in meinen Augen aus mehreren Gründen nicht an Teil 1 heran. So vermisse ich z.B. John Perry, der „Krieg der Klone“ als Figur maßgeblich getragen hat. Er tritt in „Geisterbrigaden“ nicht auf, wird nur hin und wieder einmal erwähnt. Schade! Was mich aber am meisten gestört hat. Die Handlung entwickelt sich insgesamt ziellos - v.a. ab der Mitte des Buchs, nachdem Jared seine Ausbildung abgeschlossen hat. Ich wusste nicht so recht, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Das Buch liest sich vor allem im Mittelteil sehr zäh und langatmig. Ich habe mich gelangweilt und habe Seiten teils nur überflogen. Irgendwann habe ich dann aufgegeben und das Buch abgebrochen (auf S. 256). Die Plot-Entwicklung und Charakterzeichnung haben mich nicht überzeugt. Auch der Humor, der Band 1 ausgezeichnet hat, fehlte (nur am Anfang ist er spürbar). Kurzum: Kein Vergleich zu „Krieg der Klone“! Auch der Wechsel der Perspektive hat mich gestört: Wird in Teil 1 noch aus der Sicht von John erzählt, wählt der Autor dieses Mal eine Er-Perspektive und schildert das Geschehen damit aus größerer Distanz. In meinen Augen keine gute Entscheidung. Ich hoffe sehr, dass der dritte Band der Trilogie wieder besser wird (Edit: Nein, wird er leider nicht. Ich bin nicht über die ersten hundert Seiten hinausgekommen).
Querverweise:
Scalzi, John: Krieg der Klone.

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