„Wie entgleitet ein Leben?“
Bohm lebt in Köln auf der Straße. Er ist 36 Jahre alt und seit fünf Jahren obdachlos. Er hat ein Alkoholproblem und die widrigen Wetterbedingungen machen ihm stark zu schaffen. Wir erleben mit, wie sein Schlafsack von jemandem entsorgt wurde, und er nun nicht mehr zu gebrauchen ist. Für Bohm ist das ein ärgerlicher Verlust. Der Schlafsack gehört für ihn zu den wenigen Dingen, die er besitzt, und ist für ihn überlebenswichtig, um sich vor Kälte zu schützen. Bohm muss zwangsweise in einer Notschlafstelle unterkommen. Bei der Bahnhofsmission hofft er darauf, einen neuen Schlafsack zu erhalten. Weiterhin läuft Bohm ein Hund zu, den er auf den Namen „Fuchs“ tauft.
In einem weiteren Blickwinkel lernen wir Alina kennen. Sie ist Journalistin und auf dem Weg zu einem Meeting. Sie hat bereits einige journalistische Erfolge vorzuweisen, doch ihre erfolgreiche Zeit liegt bereits etwas zurück. Die zuletzt von ihr produzierten Formate stießen beim Publikum auf wenig Gegenliebe. Sie tritt beruflich auf der Stelle und vermisst die Aufmerksamkeit, die ihrer Arbeit früher zuteilwurde. In einem Feedback-Gespräch bekommt Alina dann eine neue Chance. Sie soll eine Reportage drehen, die berührt. Sollte dieses Format allerdings erneut fehlschlagen, steht Alinas berufliche Zukunft auf dem Spiel. Alina schlägt vor, eine Reportage zum Thema „Wie entgleitet ein Leben?“ zu gestalten.
Die Wege von Bohm und Alina kreuzen sich. Sie bietet, ihm eine Aufwandsentschädigung an, wenn er einem Dreh zustimmt und sie ihn begleiten darf. Sie gibt nicht auf, ihn von einer Teilnahme zu überzeugen, auch wenn Bohm zunächst skeptisch reagiert. Doch eine unvorhergesehene finanzielle Notsituation sorgt dafür, dass Bohm schließlich zustimmt.
Wir begleiten als Leser die Dreharbeiten und sind dabei, wie Alina wirkungsvolle Bilder kreiert. Und Alina selbst wundert sich darüber, dass sie Bohm mit der Zeit nett findet. Sein Blick auf ihn verändert sich im weiteren Verlauf der Handlung. Es entwickelt sich sogar eine zaghafte Romanze. Mit seiner Art hinterlässt er immer wieder Eindruck bei ihr. Er ist selbstsicher, warmherzig und witzig. Gleichzeitig hat sie aber auch immer wieder davor Angst, dass er sie hängen lässt und die Dreharbeiten abbricht. Im Internet versucht sie weitere Informationen zu ihm zu recherchieren. Was wird sie herausfinden?
Bohm ist die Arbeit vor der Kamera unangenehm. V.a. Fragen zu seiner Vergangenheit sind ihm zuwider. Diese bleibt bis zum Ende des Buchs ein großes Rätsel und sorgt dafür, dass man neugierig weiterliest. Ich wollte mehr über Bohm erfahren und wissen, welche Geschichte hinter seinem Schicksal steckt. Und ohne zu viel zu verraten: Ich war doch überrascht, über das, was am Schluss ans Tageslicht kommt. Jedenfalls wurde ich nicht enttäuscht. Die Ursachen der Obdachlosigkeit werden glaubhaft verdeutlicht. Insgesamt habe ich das Buch mit Interesse gehört und fand es gelungen.

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